Des Märchens Kern Schneewittchens Mörder auf der Spur
Hamburg - Am Sonntag um 19.30 Uhr startet die dreiteilige Reihe "Märchen und Sagen - Botschaften aus der Wirklichkeit". In den 45-minütigen Filmen werden die Erkenntnisse der Wissenschaftler zu den überlieferten Geschichten der Gebrüder Grimm, zu ihren verschlüsselten Nachrichten und historischen Hintergründen präsentiert. Zudem werden neue archäologische Zeugnisse und Ergebnisse aktueller Forschungsarbeiten enthüllt.
Schneewittchen und Co.: Das war des Märchens Kern
Die Autoren haben sich gemeinsam mit Historikern auf die Suche nach tatsächlichen Schnittmengen zwischen den Erzählungen und der Wirklichkeit begeben. SPIEGEL TV hat zwei Jahre lang für die Produktion recherchiert. Redakteur Marc Brasse: "Wir haben damit inhaltliches und filmisches Neuland betreten." Die drei Stücke seien eine Mischung aus den Erzählebenen Dokumentation, historische Fakten und Märchensequenzen.
Den Anfang macht am Sonntag "Schneewittchen und der Mord von Brüssel". Darin kommt Heimatforscher Eckhard Sander zu Wort. Er entdeckte im Stadtarchiv von Bad Wildungen ein Dokument über die schöne Hessin Margaretha von Waldeck, die im 16. Jahrhundert in ähnlichen Verhältnissen lebte wie Schneewittchen. Gedreht wurde auf dem Gelände des Schlosses Waldeck . Die Autoren sehen eine Verbindung zu den Grimms, die die Stoffe für ihre Hausmärchen aus regionalen Erzählungen zusammentrugen.
Folge zwei "Der Rattenfänger und die verschwundenen Kinder" beschäftigt sich mit der Sage um den niedersächsischen Entführer. "'Der Rattenfänger' endet ohne ein klärendes Happy End, aber mit der immer wiederkehrenden Frage, wer es denn nun wirklich war", sagt Wissenschaftler Norbert Humburg, 68, der sich bereits seit Studienzeiten der Welt der Märchen und Sagen verschrieben hat und dessen Forschungsergebnisse in die Sendungen einflossen.
Der Film "Sterntaler und das himmlische Gold" beschließt die Reihe. Er begibt sich auf den mythenreichen Weg des armen, hilfsbereiten Mädchens, das aus Dank reich belohnt wird. Die Autoren belegen, dass der himmlische Segen nicht nur der Grimmschen Phantasie entsprungen ist. Tatsächlich gab es einst Taler, die vom Himmel zu kommen schienen und auf wundersame Weise in die Hände armer Menschen gelangten. Vor allem nach heftigen Regenfällen entdeckten Bauern in Süddeutschland einzelne Goldmünzen ohne Ziffern, jedoch mit geheimnisvollen Zeichen.
Die über 200 Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm wurden 1812 zum ersten Mal veröffentlicht. "Es kommt nicht darauf an, sie mit naturwissenschaftlichen Methoden akribisch zu durchleuchten. Das Nichtfinden macht eine gewisse Faszination aus und hält sie lebendig", erklärt Humburg, der alle über 300 Erzählungen der Grimms gelesen hat. Der Wissenschaftler ist sich sicher, "Märchen und Sagen mit einer verständlichen und nicht aufgezwungenen Moral sind unsterblich und werden auch Generationen nach uns noch begeistern".
Jana Werner, ddp