Deutsche Geisel frei: "Ich will ihn jetzt nur umarmen" - DER SPIEGEL
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Deutsche Geisel frei "Ich will ihn jetzt nur umarmen"

Nach fünf Jahren Geiselhaft ist in Kolumbien der Deutsche Lothar Hintze freigelassen worden. Hintze war 2001 von der Rebellenorganisation Farc entführt worden. Seine Frau erzählt SPIEGEL ONLINE, wie sie die Nachricht erhielt, an die sie fast schon nicht mehr zu glauben wagte.
Von Anne Seith und Brenda Strohmaier
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Rosy Hintze klingt ruhig, als sie an ihr kolumbianisches Handy geht. Dabei hat sie gestern Abend erst erfahren, dass ihr Mann Lothar frei gekommen ist. Nach Jahren in Gefangenschaft von kolumbianischen Rebellen. Und nun ist er schon in derselben Stadt wie sie, in Bogotá in der deutschen Botschaft. Dort wird der 60-Jährige noch eine Weile psychologisch betreut, bevor seine Frau ihn sehen darf.

"Gott gab mir die Kraft, diesen ganzen Prozess zu überstehen, die Tränen, die Angstzustände, die finanziellen und familiären Sorgen, die gesundheitlichen Probleme", erzählt Rosy Hintze im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Vielleicht ist sie ja wegen ihres Glaubens so ruhig. Vielleicht rührt die Gelassenheit aber auch daher, dass sie einfach nicht mehr mit diesem Anruf der deutschen Botschaft gerechnet hat.

Es war im März 2001. Abends um zehn waren sie gekommen, die Männer der Rebellenorganisation Farc (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens). Lothar Hintze lebte schon lange in Kolumbien, dort hat er vor 14 Jahren die 20 Jahre jüngere kolumbianische Psychologin Rosy geheiratet, er betrieb einen "Club Lothar" fünf Fahrstunden südlich von Bogotá. Sein Hotel lag an einem See mit Villen am Uferrand, wie man in einer SWR-Online-Reportage nachlesen kann. Nach seiner Entführung blieben Rosy Hintze nur noch Gebete.

"Er hat sich wohl ziemlich verändert"

Hintze wurde eines von vielen Tausenden Entführungsopfern in Kolumbien - darunter auch die kolumbianische Grünen-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Hintze war eine Geisel, der auch mit Lösegeld nicht zu helfen war. Rosy Hintze hat gezahlt, erzählt sie, Tausende von Dollars. Doch ihr Mann kam nicht frei, trotz der Bemühungen der deutschen Botschaft.

Der Freilassung sei "jahrelange geduldige Arbeit" des Krisenstabs vorausgegangen, hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier jetzt gesagt. Im Zusammenhang mit der Entführung habe es keine politischen Forderung der Farc gegeben. Ohne die Hilfe der kolumbianischen Regierung, des Roten Kreuzes und der katholischen Kirche wäre die Freilassung nicht möglich gewesen.

Und nun wird Rosy Hintze ihren Mann bald wiedersehen, wann genau weiß sie allerdings nicht. "Ich warte auf Anweisungen aus der Botschaft, wie es nun weitergeht", erklärt sie mit ihrer wundersamen Gelassenheit. Und sie weiß als Psychologin, dass sie sicher nicht den Mann zurückbekommt, der ihr genommen wurde. "Nach fünf Jahren in Geiselhaft ist er gesundheitlich angeschlagen und wohl ziemlich verändert", sagt sie. Pläne für die Zukunft habe sie noch keine. Ob man in Bogotá bleibe oder woanders hingehe, all diese Fragen werde man sich später stellen. "Das soll er bestimmen", sagt sie. "Ich weiß es wirklich nicht. Ich will ihn jetzt nur umarmen und ihn mit all der Liebe empfangen, mit der ich die ganzen Jahre auf ihn gewartet habe."