Deutsche in Haiti Rette, wer kann
Schwester Pfadenhauer (l.): Die Kollegen sorgten sich
Foto: Jürgen EckertHamburg - Maria Pfadenhauer war eine von ihnen, eine der Deutschen, die nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti vermisst wurden. Die Laienmissionarin, Krankenschwester und Hebamme aus dem bayerischen Kronach, die seit mehr als 40 Jahren in der Karibik lebt, war erst kurz vor der Katastrophe von einem Urlaub zurückgekehrt. Ihre Kollegen im Erzbistum Bamberg sorgten sich: Hatte die 69-Jährige das schreckliche Naturereignis überlebt?
Am späten Donnerstagabend dann die Entwarnung per E-Mail: Laut Bistum schrieb die Tochter einer Freundin Pfadenhauers, ihre Mutter habe die Helferin nach dem Beben in Port-au-Prince getroffen, es gehe ihr gut. Sie lebe nun am Stadtrand in einem Zeltlager und "packe schon wieder kräftig mit an", wie eine Kirchensprecherin SPIEGEL ONLINE sagte. Das Haus, in dem die Schwester gelebt habe, sei eingestürzt, sämtliche Bewohnerinnen hätten sich jedoch retten können.
Doch wie viele Deutsche schweben noch in Gefahr? Das Auswärtige Amt (AA) teilte SPIEGEL ONLINE auf Anfrage mit, es gebe keine belastbaren Informationen über die Zahl der Deutschen in Haiti. Die "Bild"-Zeitung berichtete am Freitag hingegen, es lebten 250 Deutsche in dem Land, von denen knapp 100 noch vermisst würden.
Wut in Haiti: "Wir brauchen Essen, die Menschen leiden"
"Wir können diese Zahlen nicht bestätigen", hieß es nun in Berlin. "Wir wissen lediglich, dass eine zweistellige Zahl von Bundesbürgern sich vor dem Erdbeben in der Botschaft hat registrieren lassen", sagte eine Sprecherin. Von ihnen hätten sich "einige" inzwischen gemeldet, manche seien auch schon ausgereist.
Haiti ist kein Urlaubsgebiet, die meisten Bundesbürger in dem bitterarmen Karibikstaat arbeiten für Hilfsorganisationen - und werden nun eher bleiben, als in der größten Not plötzlich nach Hause zu fliegen.
Zudem versuchen inzwischen Hunderte weitere Deutsche, sich nach Port-au-Prince durchzuschlagen: Reporter, Rettungskräfte, Regierungsmitarbeiter. Auch das Personal der Botschaft, die bislang mit zwei Beamten besetzt war, werde kräftig aufgestockt, sagte die AA-Sprecherin.
Wie nun bekannt wird, haben auch drei junge Helfer aus Norddeutschland das verheerende Erdbeben unverletzt überstanden. Christopher W., 16, sowie die Geschwister Maike, 27, und Timo K., 22, hätten etwa 50 Kilometer von Port-au-Prince entfernt beim Aufbau eines Waisenhauses geholfen, sagte der Leiter des Flensburger Christlichen Zentrums Nordlicht, Ralf Preuß, SPIEGEL ONLINE.
"Sie haben die Katastrophe überlebt, wenn auch nur knapp." Die Unterkunft sei eingestürzt, in die die jungen Helfer am Unglückstag glücklicherweise noch nicht zurückgekehrt gewesen seien, sagte Preuß: "Wir wissen nun, wo sie sind, und haben Kontakt über E-Mail."
Die Mutter des Geschwisterpaares berichtete dem "Flensburger Tageblatt" von einem Internet-Telefonat, in dem ihr Sohn von sterbenden Kindern, Panik und Zerstörung gesprochen habe. "Mama, hol mich hier raus!", flehte er. Seine Schwester schrieb: "Wir haben kein Wasser, keine Medikamente, keine sanitären Anlagen. Jemand muss denen sagen, dass hier keiner ist und hilft!"
Die zweiwöchige Missionsreise der Jugendlichen nach Haiti gehörte zum Programm eines neunmonatigen Aufenthalts, der von einer amerikanischen Organisation betreut wurde. Die Rückkehr der insgesamt zehnköpfigen deutsch-amerikanischen Gruppe in die USA war eigentlich für Samstag geplant. "Man kann noch nicht sagen, wann sie zurückkommen", so Preuß, "spätestens aber in einer Woche."