Deutsche Katholiken sehen Kirche besonders kritisch - DER SPIEGEL
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Umfrage in 42 Ländern Deutsche Katholiken sehen ihre Kirche besonders kritisch

Eine Umfrage unter Katholiken in 42 Ländern gibt einen umfangreichen Einblick in das Seelenleben der Gläubigen: Demnach hadern besonders die Deutschen mit der Lehre ihrer Kirche.
Kreuz in München (Archiv): Etwa 70 Prozent der deutschen Katholiken plädieren für Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare
Kreuz in München (Archiv): Etwa 70 Prozent der deutschen Katholiken plädieren für Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Kreuz in München (Archiv): Etwa 70 Prozent der deutschen Katholiken plädieren für Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

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Peter Kneffel/ picture alliance / dpa

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Eine Studie unter katholischen Christen hat eine große Kluft zwischen Glaubenslehre und persönlichen Überzeugungen in Sachen Ehe und Sexualität offenbart - zumindest unter deutschen Katholiken. Gläubige aus Polen, Brasilien oder Südeuropa sehen ihre Kirche weit weniger kritisch. Das geht aus einer nicht repräsentativen Umfrage hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Die Initiatoren der Studie haben etwa 10.700 Fragebögen aus 42 Ländern ausgewertet. Mit knapp 7900 Teilnehmern waren Katholiken aus Deutschland mit Abstand am häufigsten vertreten.

Zwar sind die christliche Erziehung, die kirchliche Hochzeit und der Gottesdienstbesuch für die Mehrheit der Befragten laut Studie weiterhin wichtig. In vielen Fragen, die auch bei der Familiensynode im Oktober im Vatikan zu den größten Streitthemen zählen dürften, gingen die befragten Katholiken aber auf Distanz zur offiziellen Lehre der Kirche.

  • Das Zusammenleben ohne Trauschein bewerten demnach mehr als 80 Prozent der Katholiken in Deutschland als positiv. Lediglich in Polen sprachen sich 70 Prozent dagegen aus. In Südeuropa, Brasilien, und Nordamerika hielten sich Befürwortung und Ablehnung die Waage.
  • Die große Mehrheit der Befragten sprach sich außerdem für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion aus, in Deutschland forderten dies knapp 90 Prozent der Umfrageteilnehmer.
  • Auch im Umgang mit Homosexuellen wünschen sich laut der Umfrage viele Katholiken eine Abkehr von der bisherigen Lehre: Etwa 70 Prozent der deutschen Katholiken plädieren für eine Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. In Polen, Südeuropa und Brasilien wird dies allerdings mehrheitlich abgelehnt. Bei der Frage nach einer kirchlichen Hochzeit homosexueller Paare ergab sich den Angaben zufolge kein klares Bild.
  • Das verpflichtende Zölibat sollte nach Ansicht der meisten Befragten abgeschafft werden. Mehr als 85 Prozent der deutschen Katholiken befürworten eine freiwillige Regelung. Ebenso groß ist hierzulande die Zustimmung für die Einführung eines Frauen-Diakonats.
  • Die kirchliche Eheberatung wird in Deutschland wenig genutzt, nur 21 Prozent der Befragten nahmen ein solches Angebot an, in Polen etwa waren es knapp doppelt so viele. Ob die Beratung wirkt, bleibt allerdings offen: Für eine Mehrheit von 60 Prozent spielte der Beistand später keine Rolle.

Die drei Theologiestudenten, die die Studie durchgeführt haben, sehen ihre Erhebung als Ergänzung zu den Fragebögen des Vatikans zu den Themen Ehe, Familie und Sexualität, die zur Vorbereitung der Familiensynode an die Diözesen verschickt worden waren. Anstoß zu ihrer Forschung sei der Umstand gewesen, dass die kirchliche Umfrage teils unverständlich formuliert gewesen sei und einen relativ geringen Verbreitungsgrad hatte.

Auf der Synode im Oktober diskutieren Bischöfe aus 42 Ländern das Familienbild der katholischen Kirche. Darunter fallen Themen wie die Verhütung von ungewollten Schwangerschaften, der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und die Haltung zu homosexuellen Menschen.

Obgleich sich führende deutsche Theologen jüngst für die Rechte Homosexueller stark gemacht haben, sollten Schwule und Lesben von der Synode nicht zu viel erwarten: Das 157 Abschnitte umfassende Arbeitspapier bekräftigt die Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe.


Daten zur nicht repräsentativen Umfrage:

Studienzeitraum: März 2014 - Juli 2015

Teilnehmer: 10.733 auswertbare Fragebögen aus 42 Ländern

sun/dpa/AFP