Deutscher Designer Willhelm: Der Weg ist das Ziel - DER SPIEGEL
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Deutscher Designer Willhelm Der Weg ist das Ziel

Bernhard Willhelm gilt als einer der mutigsten deutschen Designer, exzentrische Stars wie Björk lieben seine Mode. Seine neue Kollektion handelt von einer Durchreise. In der Modewelt ist der Designer hingegen längst angekommen.
Von Wlada Kolosowa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bernhard Willhelm glaubte schon immer daran, dass Modenschauen mehr sein sollten. Mehr als nur Menschen, die zur Musik Schritte machen. Also laufen die Models von Bernhard Willhelm nicht einfach über den Laufsteg - sie reisen. Sie bewegen sich zwischen Zuständen, zwischen Welten, sogar zwischen Geschlechtern. Die Gesichter sind halb Farbfläche, halb ungeschminkt. Manche sind halb Mann, halb Frau. Und ein Clown hat nur eine halbe Clownsnase.

Für eine komfortable Reise tragen die Models Konstruktionen im Haar und am Hals, die an Nackenrollen für Langsteckenflüge erinnern. Oder sie haben Kissen dabei, auf die ein Highway-Symbol gedruckt ist und die Aufschrift "Transit". Hier geht es um einen Wechsel, um größte Bewegungsfreiheit. Ein Model dreht sich im Kreis und lässt die überlangen Fransen des Kleides schwingen, eine andere Frau schwingt die Hüften auf einem kleinen Podest in der Mitte des Laufstegs, in dem ein Schwert steckt. Am Schluss der Show hüpft Willhelm selbst dort drüber.

Spiel statt Regeln

Bei den meisten Shows zeigen Models zementierte Gesichtsausdrücke und Designer Contenance. Aber Willhelm hat nie viel von Regeln gehalten - auch nicht in seinem Werk. Er mischt hemmungslos Muster, Farben und Texturen, rafft, drapiert und schichtet. In einem Interview sagte er, sein Designprozess habe viel mit Unfällen und Spiel zu tun.

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Designer Willhelm: Durchreise in der Modewelt

Foto: ALEXANDER KLEIN/ AFP

Die Entwürfe dürfen auch unfertig aussehen. Statt einer Hose trägt ein Model einen Schlüpfer, an dem ein orangefarbener Luftballon baumelt. Im Haar ist noch Stylingschaum zu sehen, einige Nähte sind ausgefranst. Es ist Kollektion im Übergang. Angekommen ist sie nicht.

Bernhard Willhelm ist es wohl - zumindest in der Modewelt. Die Reise war weit. 1972 wurde er in einer Optikerfamilie in Ulm geboren - einer süddeutschen Stadt, in der "modisch" meist bedeutet, dass etwas praktisch und hochwertig ist, aber nicht auffällig und innovativ. Willhelm züchtete fleischfressende Pflanzen, machte das Abitur und schrieb sich in Trier für ein Studium ein. Nach einem Jahr zog er nach Antwerpen - nicht vordergründig, um Mode zu machen. Aus Liebe.

1994 schrieb er sich an der Antwerpener Royal Academy of Fine Arts ein, er machte Stationen bei Vivienne Westwood und Alexander McQueen. Willhelm war der erste Deutsche, der an dieser Akademie studierte. Aus der Talentschmiede gingen schon die berühmten "Sechs von Antwerpen" hervor: Revolutionäre belgische Designer wie Dries Van Noten und Ann Demeulemeester, die unter diesem Begriff zusammengefasst wurden, weil Journalisten ihre Namen nicht aussprechen wollten. Bei einem von ihnen, Walter van Beirendonck, arbeitete Willhelm als Assistent. Neben Raf Simmons, Haider Ackermann und dem Designduo AF Vandevorst zählt er zu den Designern, die Ideen der "Sechs von Antwerpen" weiterentwickeln.

Mode braucht keinen Ort

Im Frühjahr 1999 präsentierte Willhelm seine erste Kollektion in Paris - und machte sich mit dem Witz und der Ironie seiner Entwürfe schnell einen Namen. Für seine Kollektionen lässt er sich von "Happy Meal"-Figuren, Skifahrern und Rotkäppchen inspirieren. Exzentrische Stars wie Björk lieben seine Mode. 2007 machte er die Kostüme für ihre Welttournee.

Inzwischen gilt Willhelm als einer der mutigsten deutschen Designer - wobei er sich so nie selbst nennen würde. "Ich sehe mich als Mensch, der Mode macht und das sehr gern, aber ich muss die Menschen nicht in Nationalitäten einteilen", sagt er nach der Show. "Es macht jeder heutzutage, was er macht - und das hoffentlich gut. Wo er es macht, ist inzwischen gar nicht so wichtig." Er präsentiert zwar auf der Fashion Week in Paris, produziert werden die Sachen aber in Tokio. Und dort werden sie auch gern gekauft: Die Japaner wüssten seine Farben und seine Experimente zu schätzen, so Willhelm, oft kauften japanische Männer sogar Stücke aus seiner Frauenkollektion.

Für seine Arbeit ist Willhelm auf der ganzen Welt unterwegs. Er kurierte schon Ausstellungen in Berlin, zog mit seinem Team im vergangenen Jahr für ein paar Monate nach Mexiko und unterrichtet in Wien an der Akademie für angewandte Kunst. Er müsse in keiner bestimmten Stadt sein, um Mode zu machen, sagt Willhelm. Es ginge um ein Gefühl und um die Frage: "Wie geht es weiter?"

"Vielleicht bin ich einfach auf der Durchreise", sagt er.

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