Deutschland: "Postcode" soll staatlichen Lotterien Konkurrenz machen - DER SPIEGEL
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Deutschland "Postcode" soll staatlichen Lotterien Konkurrenz machen

Die staatlichen Lotterien der Bundesländer müssen sich warm anziehen. Ab Mitte nächsten Jahres soll ihnen eine Lotterie, die von Umwelt- und Entwicklungshilfeverbänden getragen wird, Konkurrenz machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Ab Sommer 2001 soll die "Deutsche Postcode Lotterie" als Wettbewerber der alteingesessenen Glücksspielorganisationen auftreten. Der Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft "Neue Bundeslotterie für Umwelt und Entwicklung", Udo Weiß, sagte gegenüber der "Berliner Zeitung", seine Organisation strebe an, anfangs jährlich 200 bis 300 Millionen Mark Einnahmen zu erzielen.

Markt in Deutschland: 15,6 Milliarden Mark jährlich

Deutsche Glücksspieler zahlen jedes Jahr rund 15,6 Milliarden Mark in die Kassen der staatlichen Lotteriegesellschaften, etwa der Klassenlotterien der Länder. Experten gehen jedoch davon aus, dass beträchtliche Steigerungen möglich sind. Dass dabei die Umweltlotterie in der Lage sein könnte, bedeutende Marktanteile zu gewinnen, zeigt das Beispiel der Niederlande. Dort wurde 1990 eine Öko-Lotteriegesellschaft gegründet, die seither 2,5 Milliarden Mark eingenommen hat. Knapp zwei Drittel davon wurden für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet.

Das Prinzip der Lotterie, das auch nach Deutschland übertragen werden soll, ist denkbar einfach: Alle Spieler, die in einem von einer Glücksfee bestimmten Postleitzahlenbereich wohnen, teilen sich den Gewinn.

Jahrelanger Streit um die Zulassung

In der Arbeitsgemeinschaft "Neue Bundeslotterie für Umwelt und Entwicklung", die das Spiel organisieren will, hatten sich 1993 zehn renommierte Organisationen aus dem Umwelt-, Kinderschutz- und Entwicklungshilfebereich zusammengeschlossen: Unicef, die Deutsche Welthungerhilfe, die Umweltschutzorganisation BUND, Terre des Hommes, der WWF, Greenpeace, der Deutsche Naturschutzring und der Naturschutzbund Deutschland, die Kindernothilfe und das katholische Hilfswerk Misereor. Um die Zulassung des Spiels hatte es jahrelangen Streit gegeben, der im Juni vom Bundesverwaltungsgericht zugunsten der Öko-Lotterie entschieden wurde.