Dianas Tod: Das Ende der Verschwörungstheorien - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Dianas Tod Das Ende der Verschwörungstheorien

Nach der umstrittenen Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu Dianas Tod, samt Fotos der sterbenden Prinzessin, ist zumindest eines klar: Die Frau des britischen Thronfolgers wurde nicht ermordet. Sie starb auch nicht, weil sie schwanger war. Akribisch zusammengetragene Details belegen: Es war ein ganz normaler Unfall.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Nach Angaben der CBS-Sendung "48 Hours" enthält der Bericht Tausende Seiten mit vertraulichen Polizeiunterlagen, wissenschaftlichen Analysen und Fotos, die genau dokumentieren, unter welchen Umständen Diana und ihr Geliebter Dodi al-Fayed zu Tode kamen. Das Ergebnis: Es gab keine Verschwörung. "Die Verschwörungstheorien sind nur deswegen nicht abgerissen, weil die Einzelheiten des französischen Berichts nie veröffentlicht wurden", heißt es in dem CBS-Beitrag. Unter dem ausgestrahlten Material sind auch Bilder der sterbenden Prinzessin, die bislang nie gezeigt wurden. Die Veröffentlichung hatte als Tabu gegolten.

Nach den französischen Untersuchungen ist der Unfall alleine dem Fahrer der Limousine, Henri Paul, anzulasten - und nicht etwa den Fotografen oder ausländischen Geheimagenten, wie Anhänger von Verschwörungstheorien seit dem Unfall im Alma-Tunnel in Paris glauben.

Den Ermittlungen zufolge war der Fahrer des gepanzerten Wagens doppelt so schnell gefahren, wie erlaubt. Zudem hatte er eine erhebliche Menge Alkohol und verschreibungspflichtige Medikamente im Blut. Das hatte Mohammed al-Fayed, Dodis Vater, immer wieder in Zweifel gezogen.

In den Akten finden sich zahlreiche Proben von Pauls Blut, Haaren und Kleidung. Die Leiche wurde fotografiert und mit einem Zettel am Fuß identifiziert, Nummer 2147. Die Kennzahl haben die Ermittler durchgehend bei allen Proben verwendet. Ein Hinweis darauf, dass Proben vertauscht oder Ergebnisse vertuscht worden seien, gebe es nicht, heißt es in dem Bericht.

Der britische Experte Robert Forrest, der für "48 Hours" das Dossier über die Proben beurteilte, sagte dazu in dem Beitrag: "In der Beweiskette findet sich nichts, das vermuten ließe, dass irgendwas mit der Probenentnahme nicht gestimmt hat." Der Alkoholwert im Blut habe die erlaubte Menge um das Dreifache überschritten, hinzu kämen verschreibungspflichtige Medikamente. "Lassen Sie es mich so ausdrücken: Wenn ich wüsste, dass mich jemand in diesem Zustand fahren soll, würde ich nicht mit ihm ins Auto steigen. Auf keinen Fall", sagte Forrest, der nach Angaben des Senders zu den führenden Toxikologen Großbritanniens zählt.

Mysteriös bleiben allerdings große Geldsummen, die Henri Paul kurz vor seinem Tod auf Bankkonten eingezahlt hatte. Die französische Polizei habe nicht feststellen können, woher das Geld stammte. Belege dafür, dass Paul ein Agent gewesen sei, fanden die Ermittler trotz intensiver Recherche nicht.

Fotostrecke

Diana: Tod im Tunnel

Foto: DPA


Die Bilder sind die vielfach veröffentlichten Fotos von dem Unglück. Keines gehört zu dem Paparazzi-Material, das CBS jetzt veröffentlicht hat.

Die Diana-Fotos, die CBS jetzt zeigte, sind kurz nach dem Unfall entstanden. Die Polizei konfiszierte die Bilder von den Paparazzi, die das Paar an diesem Abend gejagt hatten, und hielt sie unter Verschluss. Auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen ist die sterbende Diana zu sehen. Sie ist bewusstlos und blutet, ihr Gesicht ist allerdings unverletzt. So fand sie auch der französische Arzt Frederick Maillez vor, der am Abend des Unfalls zufällig am Unglücksort vorbeikam. Er sei zu dem Wrack gegangen und habe hineingesehen, sagte er in dem Beitrag. "Ihr Gesicht war immer noch wunderschön. Sie hatte keine schlimmen Verletzungen im Gesicht. Sie war bewusstlos, gab keinen Laut von sich."

Auch Gerüchte, dass Diana zum Zeitpunkt ihres Todes schwanger gewesen sei, wurden entkräftet. Bislang waren Einzelheiten der Obduktion nicht öffentlich bekannt. Der Pathologe habe die Gebärmutter freigelegt. Aus der Untersuchung habe sich ergeben, dass Diana nicht schwanger war, heißt es in dem Bericht. Mohammed al-Fayed hatte immer wieder das Gegenteil behauptet.

Die Untersuchung der französischen Behörden widerlegt auch die Theorien, der Wagen sei manipuliert worden. Nahrung hatten diese Gerüchte unter anderem durch eine Notiz erhalten, die Diana selbst verfasst haben soll. Darin schreibt sie, Prinz Charles bereite einen Mordanschlag auf sie vor ("Mein Mann plant einen Unfall mit meinem Auto - Bremsversagen, ernsthafte Verletzungen").

War der Mercedes, mit dem das Paar und der Fahrer in den Tod rasten, also manipuliert? Nein, sagt Murray MacKay, Experte für Fahrzeugsicherheit, und attestiert den französischen Ermittlern sehr gründliche Arbeit. "Mit dem Auto war alles in Ordnung." Der Fiat, den der Mercedes streifte, bleibt zwar verschwunden, war aber nach Ansicht der französischen Fahnder nicht der eines Fotografen, der ins Visier der Ermittler geriet.

Die Glaubwürdigkeit des trauernden Vaters Mohammed al-Fayed schätzt dessen Biograf, der Autor Tom Bower, nicht sehr hoch ein. "Er hat ein komplettes Fantasiekonstrukt um die letzten Stunden von Diana gesponnen", sagte Bower. "Absoluter Unsinn." Trotzdem verbreite al-Fayed weiterhin Verschwörungstheorien - statt den Tod seines Sohnes als Unfall zu akzeptieren. "Er hat ein beachtliches eigenes Interesse daran, diese Erfindung aufrecht zu erhalten, schließlich schützt er damit sein Ansehen und seinen Teil der Verantwortung für den Unfall", sagte Bower. Der Fahrer Henri Paul war gleichzeitig Sicherheitschef im Ritz-Hotel, das Mohammed al-Fayed gehört. "Ich glaube, Mohammed ist der Architekt, der Oberverbreiter, der Bewahrer, der große Fantast, der diese ganze lächerliche Idee in die Welt gesetzt hat, dass sie ermordet wurde."

Die Veröffentlichung des französischen Untersuchungsberichts setzt dennoch keinen Schlusspunkt unter die mysteriöse Geschichte um den Tod der schönen Prinzessin. Im Januar verkündete die britische Regierung, man wolle eine eigene Untersuchung zu den Vorfällen einleiten.