Dicky Dancing - DER SPIEGEL
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DISCOTHEKEN Dicky Dancing

Die Berlinerin Gitty Hinz, 56, über die von ihr organisierte Disco für Mollige
• aus DER SPIEGEL 13/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Frau Hinz, ist eine spezielle »Dicken-Disco« nicht schon von der Idee her diskriminierend?

Hinz: So empfindet das bei uns niemand. In einer normalen Disco sieht man doch kaum Dicke. Die trauen sich nicht, tanzen zu gehen, und wenn, haben sie wenig Spaß dabei wegen der Sprüche.

SPIEGEL: Müssen Dünne bei Ihnen draußen bleiben?

Hinz: Nein, es gibt keine Waage an der Tür, wir diskriminieren niemanden. Voraussetzung ist, dass Dünne nichts gegen Dicke haben. Wer lästert, wird freundlich herauskomplimentiert.

SPIEGEL: Herrscht Männerüberschuss?

Hinz: Schön wär's! Gerade einer von 100 Gästen ist ein Mann. Wenn ich in der Stadt die Flyer verteile und einem fülligen Mann einen in die Hand drücke, muss ich aufpassen, dass der mir keine klebt. Männer empfinden sich nicht als dick. Sie stehen nicht dazu.

SPIEGEL: Wie kommt's?

Hinz: Männern gelingt es zu verdrängen, Frauen verlieren ihr Selbstbewusstsein.

SPIEGEL: Die Lösung liegt im Tanzen?

Hinz: Die Disco hilft, sich frei zu bewegen und Selbstwertgefühl aufzubauen. Viele sagen mir, dass sie so auch Anmache besser kontern können. Außerdem machen viele nichts aus ihrem Typ. Die Disco bietet Gelegenheit, das zu ändern.

SPIEGEL: Sie beraten auch in Stilfragen?

Hinz: Ja. Ich bin sehr direkt und sage einer Frau offen, dass ihre Leggings nicht der Hit sind. Ein klassischer Fehler sind kurze Haare, die das Genick freilegen. Dicke können keine kurzen Haare tragen. Ich selbst achte darauf schon lange.

SPIEGEL: Was gibt es noch zu beachten?

Hinz: Beim Make-up nicht übertreiben. Manche schminken sich so, dass sie aussehen wie ein Pfingstochse, der in den Malkasten gefallen ist. Den Pullover in die Hose stecken sollte man ab einem bestimmten Gewicht auch nicht. Wer will schon herumlaufen wie ein Brauereigaul?

SPIEGEL: Wie gehen Sie selbst mit Ihrem Dicksein um?

Hinz: Bei mir kam es erst mit den Wechseljahren. Ich sage immer: Fast jeder hat mal dünn angefangen. Wichtig ist, nichts zu verniedlichen: Dick ist dick. Man muss nur was daraus machen.

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