SACHBUCH Die Evolution der Moral
Auf die Frage, warum es besser sei, geboren zu werden als nicht geboren zu sein, soll der griechische Philosoph Anaxagoras geantwortet haben: »Um das Himmelsgebäude zu betrachten und die Ordnung im Weltall.« Der Mathematiker, Geograf und Kunstpädagoge Peter-Paul Manzel, 49, versteht dieses Motto als Auftrag: Er versucht nicht weniger, als die Geschichte des Universums und die der Menschheit aus der Sicht der Naturwissenschaften zu erzählen. Denn für Manzel liegt in den - in allen Kulturen geschätzten - Naturwissenschaften die große Chance, einen Wertekanon zu etablieren, mit dem »wir uns alle auf dieselben Menschenrechte und Pflichten berufen können«. Manzel beobachtet einen »schleichenden Rückzug der Vernunft aus unserer Gesellschaft« und sieht ihn vor allem dort, wo die Naturwissenschaften an Einfluss verlieren. »Aus der Naturbeobachtung und ihrer Interpretation«, glaubt der Wissenschaftler, könne man »heutzutage ein vollständiges Modell ableiten, das in seinen moralischen Grundsätzen einer Religion ebenbürtig ist und auch unsere transzendenten Bedürfnisse zu befriedigen weiß«. Die Evolution - diesen Beweis versucht Manzel zu führen - hat ihren Anteil am Zustandekommen von Moral. Sie arbeitet an der Vervollkommnung des Menschen. So versteht sich dieses Buch als gute Botschaft in einer eher pessimistischen Zeit.
Peter-Paul Manzel: »Von Gott und der Welt. Das Evangelium derNaturwissenschaften«. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg; 478Seiten; 29,90 Euro.