Die Nacht des 20. Juli 1944: Das Ende - DER SPIEGEL
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Die Nacht des 20. Juli 1944 Das Ende

Zu dieser Stunde vor genau 60 Jahren weiß Hitler, wo die Verschwörer sitzen: im Bendlerblock in Berlin. Alle Generäle sind sofort zu verhaften, lautet sein Befehl. Die 4. Kompanie des Wachbataillons umstellt das Gebäude und lässt vor den Eingängen Maschinengewehrposten aufziehen.
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Viele der Offiziere im Bendlerblock hatten mehr geahnt als gewusst, was in den vergangenen Stunden im zweiten Stock des Ostflügels des riesigen Komplexes geschah. Nun, als das Ende bevorsteht, wollen sie sich gegen den zu erwartenden Vorwurf des Regimes schützen, dem Staatsstreich nicht entgegengetreten zu sein. Einige von Olbrichts Stabsoffizieren, bewaffnet mit Maschinenpistolen und Handgranaten, dringen in das Büro ihres Chefs im Allgemeinen Heeresamt vor: "Herr General, sind Sie für oder gegen den Führer?", fragen sie Olbricht.

Als Stauffenberg hinzukommt, wollen die Männer ihn festnehmen, aber der Graf stürzt auf den Korridor und rettet sich in ein Zimmer. Gegen 22 Uhr erscheint der inzwischen befreite Fromm, hinter sich eine Entourage Bewaffneter, in der Tür seines Büros, wo der ehemalige Generalstabschef Ludwig Beck, Olbricht und sein Stabschef Oberst Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim, Stauffenberg und sein Adjutant Haeften sowie General Erich Hoepner warten. Auf dem Fußboden brennt Papier - Beweisstücke, die die Verschwörer noch vernichten wollen.

Fromm erklärt alle sechs für verhaftet und fordert sie auf, ihre Waffen abzuliefern. Beck bittet darum, seine Pistole behalten zu dürfen, "zum privaten Gebrauch", dann richtet er die Waffe gegen sich selbst. Mit dem ersten Schuss verletzt er sich an der Schläfe, und auch der zweite ist nicht tödlich. Schließlich jagt ein Feldwebel dem Sterbenden eine Kugel in den Kopf.

Es ist jetzt kurz vor Mitternacht: Fromm drängt zur Eile. Hoepner lässt er abführen; die anderen fünf Verschwörer, so behauptet er, seien durch ein von ihm bestelltes Standgericht zum Tode verurteilt. Möglicherweise will er durch ihren Tod seine Mitwisserschaft verschleiern.

Die inzwischen eingetroffene Kampfgruppe des Wachbataillons stellt das Exekutionskommando. Die Fahrer erhalten den Befehl, mit den Scheinwerfern ihrer Fahrzeuge den Hof des Gebäudes zu erhellen. Dann legen die Schützen an. Stauffenberg, er stirbt als Dritter, soll kurz vor seinem Tod noch etwas gerufen haben. Laut Augenzeugen lauteten seine letzten Worte: "Es lebe das heilige Deutschland!"

Nach dem gescheiterten Staatsstreich:

Mehrere Tausend Menschen wurden verhaftet, der Volksgerichtshof verhängte 110 Todesurteile. Die meisten wurden sofort und durch Erhängen vollstreckt. Einige Beteiligte und Mitwisser wurden in den letzten Kriegstagen ermordet. Die Familien der Verschwörer kamen in Sippenhaft.

In den neun Monaten zwischen dem Attentat und der Kapitulation am 8. Mai 1945 starben etwa vier Millionen Deutsche, rund 1,5 Millionen Rotarmisten und über Hunderttausend US-Amerikaner und Briten. Hunderttausende KZ-Häftlinge wurden ermordet. Alliierte Bomber warfen Millionen Bomben über Deutschland ab und zerstörten Städte wie Dresden oder Kiel.