Berühmtes Wrack im Nordatlantik Die »Titanic« zerfällt langsam
Bug der »Titanic« mit einem großen Teil der fehlenden Reling
Foto: RMS Titanic Inc. / Ap / dpaDie »Titanic« verfällt unaufhaltsam in ihrem Meeresgrab. Deutlich sichtbar ist das am Bug des Schiffes, wie Fotos und Videoaufnahmen von der jüngsten Tauchexpedition zum Wrack im Nordatlantik zeigen.
Die vordere Spitze des 1912 gesunkenen Luxusliners ist durch James Camerons Schiffsdrama »Titanic« fast schon ikonisch verewigt worden. Millionen Zuschauer kennen das rührende Bild von Jack (Leonardo DiCaprio) und Rose (Kate Winslet) mit ausgestreckten Armen am Bug des Schiffes und Jacks Freudenruf »Ich bin der König der Welt« – vorn am Geländer des Ozeanriesen. Dort klafft nun auf der Backbordseite des Schiffes ein großes Loch.
Berühmte Filmszene: Jack (Leonardo DiCaprio) und Rose (Kate Winslet) mit ausgestreckten Armen
Foto:Paramount Pictures / picture alliance
Der Bug habe mittlerweile einen rund viereinhalb Meter langen Teil seiner Reling eingebüßt, der nun auf dem Meeresboden liege, erklärte das Unternehmen RMS Titanic, Inc., Besitzer des wohl berühmtesten Schiffswracks der Welt, in einem X-Post. Jahrzehntelang sei er ein Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit der »Titanic« gewesen.
Die drastische Veränderung auf den Bildern erinnere daran, dass das Schiff tatsächlich zerfalle. »Nach 112 Jahren auf dem Grund des Nordatlantiks fordert die feindliche Ozeanumgebung ihren Tribut«, bilanziert das Unternehmen.
The new images from #TITANICExpedition2024 reveal one thing for sure: #TITANIC is changing.
— RMS Titanic, Inc. (@RMSTitanic_Inc) September 1, 2024
After 112 years at the bottom of the #NorthAtlantic, the hostile ocean environment has taken a toll on TITANIC. pic.twitter.com/y8DKTj8Qi7
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Bei der Expedition im Juli und August – der ersten des Unternehmens seit 2010 – wurden demnach mehr als zwei Millionen Fotos des Wracks gemacht. Der Luxusdampfer, bei seiner Einweihung als unsinkbar beworben, war auf seiner Jungfernfahrt 1912 von Southampton nach New York mit einem Eisberg zusammengestoßen und gesunken. Dabei starben rund 1500 der mehr als 2200 Menschen an Bord. Das Wrack wurde 1985 südöstlich der kanadischen Provinz Neufundland in rund 3800 Metern Meerestiefe gefunden.
Wertvolle Funde
Das Trümmerfeld am Ort der tragischen Katastrophe ist für Forscher aber auch eine Schatzgrube. Bei der Expedition wurden nach Angaben von RMS Titanic zahlreiche Artefakte ausfindig gemacht, die in künftigen Missionen gehoben werden sollen. Darunter befindet sich ein Kleinod, dessen Wiederentdeckung auf dem Meeresboden die Forscher regelrecht beglückte: Es handelt sich um eine rund 60 Zentimeter hohe Bronzestatue der römischen Göttin Diana, die einst auf dem Kaminsims einer Erste-Klasse-Lounge thronte.
Fine art decorated the halls and rooms throughout #TITANIC, but beauty is a delicate thing. Much of TITANIC’s fine art was made of organic materials, breaking down into the earth after many decades submerged in the hostile environment of the #NorthAtlantic. pic.twitter.com/zVauzPWDTq
— RMS Titanic, Inc. (@RMSTitanic_Inc) September 1, 2024
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Die Kabine sei beim Sinken des Schiffes aufgebrochen und die Statue herausgespült worden, heißt es in einer Mitteilung. Am letzten Tag des jüngsten Tauchgangs sei sie in dem Trümmerfeld gesichtet und fotografiert worden. Jetzt seien Dianas »wunderschöne und filigrane« Details erstmals seit 112 Jahren wieder zu sehen.
Zerfall besorgt die Forscher
Der langsame Zerfall des Wracks bereitet den Forschern schon länger Sorge. Mikroorganismen zersetzen das Metall, aus dem das Schiff gebaut wurde, wie RMS Titanic, Inc. schon 2010 mitteilte. Laut der Firma mit Sitz in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia setzen dem Wrack neben den Bakterien, die sich durch die Schiffshülle fressen, auch Rost und Ozeanströmungen zu.
Anfang der Neunzigerjahre hatte sich das Unternehmen die Rechte an der Verwaltung der Wrackstelle gesichert, seitdem organisierte es mehrere Expeditionen. Bislang wurden dabei vor allem technische Gerätschaften, Schmuck, Münzen und andere Erinnerungsstücke geborgen. Sie wurden restauriert und zum Teil ausgestellt.
Trotz aller Bemühungen: Der Zerfall des Wracks sei unabwendbar, schreibt das Unternehmen. Das bestärke die Forscherinnen und Forscher jedoch nur in ihrer Mission, die Zeugnisse der Vergangenheit zu dokumentieren und zu erhalten, bevor es zu spät ist.