Die Unglücksfahrt: Eine halbe Minute lang war es ganz still - DER SPIEGEL
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Die Unglücksfahrt Eine halbe Minute lang war es ganz still

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Garmisch-Partenkirchen - Wohlgelaunt bestieg Hans Gründel am Samstagmorgen in Garmisch-Partenkirchen den hellblauen Triebwagen, der ihn zum Eibsee bringen sollte. Dort wollte der 54 Jahre alte Münchner wandern, das herrliche Wetter genießen. Er suchte sich einen Platz ganz hinten, den allerletzten in dieser Zugspitzbahn.

"Plötzlich tat es einen Schlag, und dann war ich wohl ein paar Sekunden benommen. Als ich die Augen wieder aufmachte, sah ich nur noch Trümmer. Alle Sitze waren herausgerissen, die Gepäckträger hingen herunter, mehrere Fenster waren herausgebrochen, und alle Leute lagen am Boden", erinnerte er sich später.

Es sei ganz still gewesen, vielleicht eine halbe Minute lang. Dann aber kamen die Klagelaute. Die Not der zum Teil schwer verletzten Menschen ließ Hans Gründel nicht ruhen. Er kümmerte sich nicht um seine eigene leichte Knieverletzung, half den Wimmernden. Stunden später stand er vor der Notfallstation des Kreiskrankenhauses Garmisch. Seine Hose war noch immer verschmiert - es war das Blut der anderen.

Auch Peter Brönner, ein 38 Jahre alter Geschäftsmann aus Erding, packte mit an. Gemeinsam öffneten die beiden Männer die Türen, trugen Verletzte ins Freie, brachten die anderen, deren Wunden zu schwer schienen, in die stabile Seitenlage. Manche waren eingeklemmt. Zu allererst aber rief Brönner, der selbst einen Bluterguss und Schnittwunden an der Brust davontrug, Hilfe herbei - mit seinem Handy.

Hauptmann Bernd Donsbach hatte gerade einen anderen Einsatz hinter sich - einen Verkehrsunfall in Augsburg - als die Meldung eintraf. Sofort machte er sich mit seinem in Landsberg stationierten SAR-Rettungshubschrauber auf den Weg und flog eine amerikanische Urlauberin nach Garmisch. Sie hatte eine Schädelverletzung erlitten. Als er aber das zweite Mal auf der Wiese unterhalb des Steinhangs landete, an dem das Unglück passiert war, war schon alles erledigt: Die Verletzten waren geborgen und in die Krankenhäuser gebracht worden.

Der Einsatzleiter des Roten Kreuzes, Andreas Geuther, war zufrieden mit seinen Helfern. Sie seien eine Viertelstunde nach der ersten Meldung vor Ort gewesen, alles habe dann gut geklappt. Insgesamt sechs Hubschrauber der Bundeswehr, des ADAC und des Bundesgrenzschutzes seien schnell vor Ort gewesen.

Auch Brönner war mit der Rettung zufrieden. "Das hat prima geklappt, Kompliment an die Helfer", sagte er, als er längst im Krankenhaus stand und auf seine Begleiter wartete. Er hatte eigentlich mit drei südafrikanischen Geschäftsfreunden einen Ausflug auf Deutschlands höchsten Berg geplant.

Nervös stand Susanne Beller vor der Notfallambulanz, rauchte hastig eine Zigarette nach der anderen und war den Tränen nahe. Soeben hatte sie ihren kleinen Sohn besucht, konnte es noch immer nicht fassen. Denn eigentlich hatte die Münchnerin in Urlaub fahren wollen, hatte ihren neunjährigen Jungen für die Pfingstferien zur Schwiegermutter gebracht. Und die Oma hatte dem Jungen einen Spaß machen wollen - einen Ausflug zur Zugspitze. Die Tante nahmen sie mit.

Doch dann kam das Unglück. "Wir sind alle übereinander gefallen", sagte der Junge. Er kam mit Gehirnerschütterung und einer Handverletzung davon. Die Oma aber wurde am Samstagnachmittag am Knie operiert, hatte mehrere Brüche erlitten. Und auch die Tante war verletzt.

Roland Losch