DNA-Test Gletscherleiche ist Messner-Bruder
Innsbruck - Wissenschaftler bestätigten heute in Innsbruck nach einer DNA-Analyse von Gewebeproben des Toten, dass es sich bei der Leiche um Günther Messner handelt. Extrembergsteiger Reinhold Messner hatte die Untersuchung in der Hoffnung veranlasst, damit seine Version zu den Todesumständen seines Bruders zu untermauern. Dass ihm das damit gelingt, ist allerdings zweifelhaft. In den Augen seiner Kritiker dürfte die Identität des Toten nichts über die Todesumstände aussagen.
Günther Messner war damals von der Besteigung des 8125 Meter hohen Nanga Parbat nicht zurückgekehrt. Um seinen Tod war ein heftiger Streit zwischen Reinhold Messner und ehemaligen Bergkameraden entbrannt. Vor zwei Jahren eskalierte er und mündete in mehrere Gerichtsverfahren. Messner hatte die Kameraden beschuldigt, sie hätten seinen Bruder und ihn nicht gesucht, als die beiden nicht vom Gipfel des 8126 Meter hohen Berges zurückkamen. Die Kameraden warfen Messner ihrerseits vor, er habe den Nanga Parbat vermutlich aus Ehrgeiz überschreiten wollen und Günther allein auf der Aufstiegsroute in Richtung Lager zurückgeschickt.
Es ist Freitag, der 26. Juni 1970, als die Brüder Reinhold und Günther Messner und der Kameramann Gerhard Baur 7000 Meter hoch in der sogenannten Rupalwand des Nanga Parbat im Himalaja stecken. Diese höchste Eiswand der Erde hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand bezwungen. Um 20 Uhr abends sehen die drei tief unter sich eine rote Leuchtrakete aufsteigen - das mit dem Basislager verabredete Signal für schlechtes Wetter. Der geplante Aufstieg zum Gipfel ist damit eigentlich abgesagt.
In den Augen von Reinhold Messner bedeutet das Signal jedoch, dass er es trotzdem allein versuchen darf. So hat er es mit dem Leiter der Expedition Karl Maria Herrligkoffer vereinbart. Messner gilt als bester Kletterer unter den 18 deutschsprachigen Alpinisten dieser Expedition, und er ist zweifellos der ambitionierteste. In den Alpen hat er schon die waghalsigsten Touren in Rekordzeiten gemeistert, aber einen Achttausender auf einer neuen Route im Alleingang zu bewältigen - das sieht er als seine große Chance.
In der Nacht macht sich Messner auf den Weg. Nach seiner Version der Geschichte klettert er zügig nach oben, nach ein paar Stunden bemerkt er, dass ihm jemand gefolgt ist: sein Bruder Günther, zwei Jahre jünger, genauso ehrgeizig und ambitioniert, ist ihm auf eigene Faust, auf eigenes Risiko, ohne Absprache mit der Expeditionsleitung nachgestiegen.
33 Jahre im Eis
Erst Tage später trifft Reinhold Messner die anderen dann wieder. Da hat er nicht nur den Nanga Parbat bezwungen, sondern auch noch den Abstieg über die Diamirflanke gewagt, eine weitere Erstbegehung, und das innerhalb von zwei Tagen. Ein weiterer Weltrekord.
Doch Messner zahlte einen hohen Preis: Beim Abstieg kam sein Bruder Günther ums Leben. Begraben unter einer Eislawine liege er irgendwo dort oben, hatte Messner immer geglaubt. Wie genau es dazu gekommen war, konnte nie geklärt werden. Messner selbst hatte stets beteuert, er habe seinen Sinnen wegen des Sauerstoffmangels nicht trauen können, habe aber lange Zeit während des Abstiegs seinen Bruder hinter sich geglaubt. Der bereits geschwächte Bruder habe Angst davor gehabt, über den Aufstiegsweg durch die sogenannte Rupalwand wieder abzusteigen. Günther sei dann beim gemeinsamen Abstieg vermutlich von einer Eislawine erfasst worden, als er selbst den Weg ins Tal erkundete.
Die ehemaligen Kameraden sahen aber auch nach dem Fund der Gletscherleiche keinen Beweis für Messners Version. Es sei nicht belegt, dass beide zusammen abgestiegen seien, sagte Mitbergsteiger Max von Kienlin. Ähnlich äußerte sich damals auch Albert Völkmann, Münchner Verleger von Messners Ex-Kamerad Hans Saler. "Ganz abgesehen davon, dass die Informationen zu dem Fund des Leichnams noch sehr vage sind, wäre damit lediglich bewiesen, dass Günther Messner irgendwo auf der Diamirseite umkam. Es ist nach wie vor unklar, wo und vor allem wie er verunglückte. Er könnte theoretisch auch nach einer Trennung der Brüder auf dem Rückweg zur Rupalseite im oberen Wandbereich noch auf der Diamirseite abgestürzt sein."
Ein Bergführer hatte die Leiche laut Messner in der Nähe des Diamir-Basislagers in 4600 Metern Höhe gefunden. Offenbar sei der Körper des toten Bergsteigers vor zwei Jahren mit den schmelzenden Schneemassen zum Basiscamp hinuntergetragen worden. Davor habe die Leiche 33 Jahre in etwa 7000 Meter Höhe gelegen.