Döner-Quartett Dann hol' ich meine Brüder!
Berlin - Die Idee kam den Designern Steffen Blandzinski und Michael Füsslin in einer Frühjahrsnacht vor gut einem Jahr. Der Einfall lag nahe, er kam den beiden beim Döneressen. "Uns wurde auf einmal bewusst, was für eine starke Präsenz Dönerbuden mit ihrer Trash-Optik haben", erinnert sich Blandzinski. "Wir wollten das dokumentieren." Locker, lustig, spielerisch sollte es sein - ein Quartett also. Bladzinski arbeitet in einer Gruppe von Designern, "Pool 72" aus Hannover. Sie hat das Spiel entworfen, die Fotos sind von Michael Füsslin.
Höher, schneller, weiter: Beim Quartett geht es darum, seine Mitspieler in den verschiedenen Kategorien zu überbieten. Beim Auto-Quartett etwa hat man beste Gewinnchancen, hat man einen Zwölfzylinder auf der Hand. Oder einen schnellen Sportwagen mit viel PS. Wessen Karte in der Kategorie am besten abschneidet, der bekommt die Karten der Gegner. Gewonnen hat, wer am Ende alles an sich gerafft hat.
Döner-Quartett: Dann hol' ich meine Brüder!
Beim Döner-Quartett gilt es nun, dem Gegner seine Karten durch geschickten Einsatz von Dönerkosten, Öffnungszeiten und Bestuhlung (Stühle, Bänke, gar nichts) abzuluchsen. Ein Döner für zwei Euro übertrumpft den, der mehr kostet.
Entscheidend für den Gewinn des Spiels kann auch die Anzahl der Brüder des Besitzers sein. Hält man fünf Brüder für viel, könnte das auf der Ziellinie zum Verhängnis werden. Wagt man sich hingegen mit sieben Brüdern vor, stehen die Chancen schon besser. Wer weniger hat, sollte lieber die Finger von dieser Kategorie lassen und es mit einem anderen Bereich versuchen.
Zu prüfen wären da noch die Entfernung bis Istanbul, die Anzahl der Zutatenschalen und das Gründungsjahr. Gegen das "Geburtshaus der Dönertasche" kommt dabei keine andere Bude an. Gründungsjahr des Lokals "Hasir" ist 1971. Nach Angaben von "Pool 72" hat Besitzer Mehmet Aygün hier den ersten Döner Deutschlands verkauft.
Der Döner ist Deutschlands beliebtestes Fastfood - noch vor Hamburger, Pizza und gar der Currywurst. Jeden Tag werden hier zu Lande 1,15 Millionen Stück verdrückt, und in Berlin soll es gar mehr Dönerbuden geben als in Istanbul.
Für die Recherche klapperten die Spielemacher mehrere Wochenenden 50 der rund 1300 Buden der Hauptstadt ab, unterhielten sich mit den Besitzern, bekamen Tee spendiert und wechselten sich ab mit dem Probeessen der Döner. Das war nicht immer ein Vergnügen: "Manche sind fettig und eklig, die mag man dann auch nicht aufessen", sagt Blandzinski zu SPIEGEL ONLINE. Aber immerhin hat er die Fleischtaschen noch nicht völlig satt, es gibt ja schließlich auch ganz köstliche Döner, meint er.
Woraus sich in Berlin eine Dönerfüllung zusammensetzen darf, steht in der "Festschreibung der Berliner Verkehrsauffassung für das Fleischerzeugnis Dönerkebap" von 1989. "Das Hackfleisch ist nur zu wolfen und zu mengen; es wird nicht gekuttert. Brühwurstbrät wird nicht verwendet", heißt es da zum Beispiel. Gekuttert oder nicht - die leckersten Döner macht der "Balli-Imbiss" in Neukölln, urteilen die Quartett-Erfinder.
Das "Döner Berlin Quartett" ist in einer Auflage von 3000 Stück erschienen und kostet 9,90 Euro. Zu bestellen ist es auf der Website www.doenerberlin.de . Demnächst soll das Kartenspiel auch in Berliner Buchhandlungen und Souvenirläden zu haben sein. Als Mitbringsel sei das Quartett - da sind sich die Macher sicher - allemal besser als "ein olles T-Shirt oder eine Brandenburger-Tor-Schneekugel". Und, so sagt ein Sprichwort: Döner macht schöner.