Dominick Arduin: Gefangen im Eis, verlassen von den Helfern - DER SPIEGEL
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Dominick Arduin Gefangen im Eis, verlassen von den Helfern

Sie verschwand schon wenige Stunden, nachdem sie Richtung Nordpol aufgebrochen war. Ist Dominick Arduin im Ewigen Eis gestorben? Erfahrene Extremabenteurer und die Freunde der französischen Pol-Eroberin glauben, dass sie lebt - und wollen nicht akzeptieren, dass die offizielle Suche nach Arduin abgebrochen wurde.
Von Markus Brügge
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Helsinki - Auf der Homepage der Französin begrüßt den Besucher immer noch ein Text, der seltsam surreal wirkt: Arduin sei eine erfahrene Abenteurerin, heißt es dort - ihr größter Traum das Erreichen des geografischen Nordpols.

Ihre Spur verliert sich am 5. März, ein vereinbarter Funkkontakt mit ihr kam nicht zustande. Ist die 43-Jährige tatsächlich für ihren Traum gestorben, erfroren im ewigen Eis?

Offizielle Stellen, der Ausrüster von Dominick Arduin und auch ihr Arbeitgeber glauben dies. Man habe vier Mal vergebens mit Helikoptern nach Arduin gesucht - jetzt müsse man die Hoffnung aufgeben, die französische Abenteurerin noch lebend zu finden.

Arduins Freunde aber wollen die Hoffnung nicht aufgeben, sie wollen, wie es auf einer Webseite heißt, "Dominick nicht einfach so im Stich lassen".

So ist die Geschichte des Verschwindens von Dominick Arduin auch eine Geschichte vom Kampf der Idealisten gegen die nüchternen Pragmatiker.

Die Pragmatiker - der Ausrüster Cerpolex und die russischen Behörden - verweisen auf die vergebliche Suche, auf die Spuren Arduins, die am Rande eines Sees enden, auf die lebensfeindlichen Temperaturen von minus 40 Grad.

Die Idealisten - Abenteurer, Polarforscher und Freunde von Arduin, man könnte sie die "Polar-Community" nennen - werfen den offiziellen Stellen vor, viel zu schnell aufgegeben zu haben: Es habe in Wahrheit nur zwei Suchaktionen gegeben, zwei weitere Helikoptereinsätze hätten der Rettung eines anderen französischen Abenteurers und der Versorgung eines Suchtrupps gedient.

Außerdem glaubt die Community, dass man schlicht an den falschen Stellen nach der Pol-Eroberin gesucht hat. Schließlich könnte sie sich auch ohne Funkgerät und Satellitenortung auf den Weg zu ihrem Ziel gemacht haben.

Dann, so rechnen Arduins Freunde vor, könnte die Französin etwa 25 Kilometer pro Tag zurückgelegt haben - und wäre damit mehr als 200 Kilometer von dem Gebiet entfernt, das die Hubschrauber abgesucht haben. Auch habe Dominick Arduin Vorräte bei sich, die für etwa 18 Tage reichen - es sei also genauso wahrscheinlich, dass Arduin noch lebe, wie dass sie tot sei.

Inzwischen hat die Polar-Community eine Spendenaktion gestartet, man werde selbst nach Arduin suche, heißt es in einer Ankündigung. Bestärkt worden sei man durch Tausende von Mails aus der ganzen Welt. Wie die Community sind auch die meisten der Unterstützer überzeugt, dass es Arduin gelungen ist, in der Eishölle zu überleben. "Wenn wir jetzt nicht suchen, wäre das Mord!", schreibt eine Frau aus Boston.

Am 31. März sollen sich deshalb zwei Helikopter und ein Suchtrupp auf Skiern auf den Weg machen, die Französin zu suchen. Und zu retten. Oder zumindest die Hoffnung nicht sterben zu lassen. Wie schreibt einer von Arduins Freunden auf der Webseite? "Wir wollen uns nicht vorwerfen müssen, dass wir Dominick da draußen einfach allein gelassen haben."