Doppelleben DNS-Test soll Lindbergh überführen
Berlin - Die mutmaßlichen Kinder Lindberghs unterzogen sich nach Angaben eines Beraters dem Test und trafen sich mit in den USA lebenden Abkömmlingen des Flugpioniers getroffen. Berater Anton Schwenk sagte, das Ergebnis des DNS-Tests der Brüder Dyrk und David Hesshaimer sowie ihrer Schwester Astrid Bouteuil liege in einigen Wochen vor. Der Test soll endgültige Gewissheit über die Vaterschaft Lindberghs bringen.
Schwenk berichtete von mehreren Begegnungen zwischen der Münchner Familie und Lindberghs Nachkommen in den USA, die sehr erfreulich verlaufen seien. Die Treffen seien von Lindberghs Enkel Morgan ausgegangen. "Das Ganze ist sehr harmonisch gewesen." Morgan habe die Deutschen zu einem Besuch in den USA eingeladen.
Morgan Lindbergh hatte im August gesagt, er glaube, dass sein Großvater in Deutschland drei uneheliche Kinder gehabt habe. Die Ähnlichkeit mit seiner Familie sei sehr groß, sagte er zu Fotografien der drei Geschwister. Morgans Vater John war das zweite Kind der Lindberghs. Morgan hatte sich im August zu einem DNS-Test bereit erklärt.
Das vermutete Doppelleben des Fliegers war vor zwei Monaten bekannt geworden, als sich die bei Paris lebende Astrid Bouteil - zwei Jahre nach dem Tod ihrer Mutter - der "Süddeutschen Zeitung" offenbarte. Im Jahr 1957 hat Lindbergh demnach im Alter von Mitte 50 Brigitte Hesshaimer kennen und lieben gelernt. Die Hutmacherin war 24 Jahre jünger als der amerikanische Nationalheld.
Lindbergh selbst war am 26. August 1974 im Alter von 72 Jahren in einem Landhaus in Kipahulu auf der Hawaii-Insel Maui einem Krebsleiden erlegen. Seit dem 27. Mai 1929 war er mit Anne Morrow Lindbergh verheiratet, die sich als Schriftstellerin einen Namen machte. Die beiden hatten fünf Kinder. Anne Morrow habe offenbar nichts von der Doppelexistenz geahnt, heißt es in dem Bericht.
Die Kinder hätten ihren prominenten Vater lange Zeit nur unter dessen Pseudonym Careu Kent gekannt. Astrid habe erst als Erwachsene durch Zufall auf dem Speicher des mütterlichen Hauses mehr als hundert Briefe entdeckt, signiert mit "C." wie Careu oder eben Charles. Ein von der "Süddeutschen Zeitung" in Auftrag gegebenes Schriftgutachten soll belegt haben, dass die Briefe von Lindbergh stammen.
Lindbergh soll seine deutsche Familie besucht haben, wann immer er in Europa weilte. Die Beziehung sei warm und herzlich gewesen. Er habe auch finanziell für die drei gesorgt, die alle auf Privatschulen gingen.
Am 1. März 1932 war die amerikanische Familie Lindberghs Opfer eines Verbrechens geworden, das monatelang Amerika in Atem hielt. Lindberghs erstgeborener Sohn, Charles Augustus jun., war entführt worden, die Leiche fand man am 12. Mai nur wenige Kilometer vom Haus entfernt, wo sie schon seit der Entführung gelegen haben musste. Der Täter wurde nach einem Indizienprozess hingerichtet.