Dortmunder Staatsanwalt ermittelt Tödliche Schönheitsoperation
Dortmund - Gegen den Mediziner wird nicht nur wegen des Todesfalls ermittelt. In einem weiteren Verfahren steht der Arzt unter dem Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung, nachdem es bei einer Frau nach einer Operation zu Entzündungen gekommen war, berichtete Oberstaatsanwalt Heiko Oltmanns am Donnerstag. In insgesamt vier Fällen sei es an der Klinik zu Komplikationen gekommen. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit weiteren Anzeigen.
Das Gesundheitsamt hat die Dortmunder Privatklinik, in der der 42-jährige Mediziner arbeitete, inzwischen geschlossen. Gründe dafür seien vor allem unhaltbare hygienische Zustände und unerfüllte Auflagen. "Die Summe der Mängel war so gravierend, dass auf Besserung nicht gehofft werden konnte", sagte der Sprecher der Dortmunder Stadtverwaltung, Carsten Hensel.
Statt der erlaubten zwei habe es sechs Betten gegeben, berichtete Hensel. In einem Eingriffsraum, in dem lediglich kleinere Wunden versorgt werden dürfen, sei unter Vollnarkose operiert worden. Außerdem gebe es "Verdachtsmomente, die dafür sprechen, dass das Operationsbesteck nicht steril war". Nach der Schließung der Klinik seien vier Patienten verlegt worden. Die Betriebserlaubnis war der Klinik im Juli 2001 erteilt worden.
Die verstorbene 49-jährige Patientin aus Castrop-Rauxel hatte sich in der Dortmunder Klinik Fett absaugen lassen wollen. Dabei hatte der Arzt ihren Dünndarm durchlöchert. Die Frau erlag ihren Verletzungen am vergangene Wochenende.
Der Bundesvorsitzende der Vereinigung der plastischen Chirurgen, Ulrich Steinau, bezeichnete den Todesfall als "absolute Katastrophe" und forderte eine Facharztausbildung als Voraussetzung für Schönheitsoperationen. Er kritisierte, dass in Deutschland jeder Arzt mit Staatsexamen und Approbation ästhetische Eingriffe vornehmen dürfe. In Deutschland gibt es unterschiedlichen Schätzungen zufolge jährlich zwischen 250.000 und 400.000 kosmetische Operationen.