Drach in Hamburg Er kam, sah und lachte
Hamburg - Als der mutmaßliche Reemtsma-Erpresser Thomas Drach auf dem Hamburger Flughafen den Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes verließ, lächelte er trotz Handschellen in die Kameras zahlreicher Foto- und Fernsehreporter. Drach hatte nur einen kurzen Weg zu dem am Geschäftsfliegerzentrum bereit stehenden Polizeihubschrauber. Dieser brachte den 40-Jährigen nur wenige Minuten später in die berüchtigte Justizvollzugsanstalt II im Stadtteil Fuhlsbüttel ("Santa Fu"). Damit war die von den Behörden als "Operation Luftschloss" bezeichnete Aktion abgeschlossen.
Für den "unkomplizierten Weg" durch die Luft hatte sich die Polizei der Hansestadt kurzfristig entschieden. Eigentlich sollte Drach mit dem Auto in die Untersuchhaftanstalt im Stadtzentrum gebracht werden. Um einen reibungslosen Transport zu ermöglichen - unweit der U-Haft-Anstalt findet derzeit mit dem Hamburger Dom ein großes Volksfest statt -, habe man es sich aber anders überlegt, sagte Polizeisprecher Reinhard Fallak.
In Fuhlsbüttel erwartete den 40-jährigen Rheinländer ein Haftrichter, der ihm in Anwesenheit eines Staatsanwaltes den Haftbefehl verlas. Drach sei dabei sehr gelassen und ruhig gewesen und habe sich zur Sache nicht geäußert, sagte die Gerichtssprecherin Sabine Westphalen. Beanstandet habe er lediglich die Haftbedingungen in Buenos Aires sowie den Hubschrauberflug. Ohne konkret zu werden, habe Drach erklärt, er fühle sich behandelt "wie ein Terrorist", sagte Westphalen. Erst in der kommenden Woche soll Drach in die Untersuchungshaftanstalt verlegt werden. Dann werde es weitere Vernehmungen und erkennungsdienstliche Maßnahmen geben.
Vermutungen, Kumpane könnten Drach befreien, wies der Hamburger Polizeisprecher energisch zurück. Es habe keine Anhaltspunkte für irgendeine Befreiungsaktion gegeben. Drach sei zudem wie ein "Schwerkrimineller" behandelt worden, für die es entsprechende Sicherheitvorkehrungen gebe.
Drach, der in den vergangenen zwei Jahren in einem argentinischen Gefängnis gesessen hatte, war am Vormittag, von Buenos Aires kommend, in Frankfurt/Main eingetroffen. Während des Fluges sei alles ohne Probleme verlaufen, sagte Fallak weiter. Drach sei ruhig gewesen und habe an Bord keine Sonderbehandlung erfahren. Fünf Beamte von Bundes- und Landeskriminalamt sowie zwei Sicherheitsleute der Lufthansa begleiteten ihn. In der ersten Klasse des Linienfluges war für den "prominenten Fluggast" mit Vorhängen extra ein Bereich abgeteilt worden. Vor der Gefängniskost konnte Drach an Bord der Maschine noch einmal schlemmen. Auf der Speisekarte standen unter anderem Kaviar, Hummermedaillons, Rinderfilet oder gebratener Schwertfisch sowie Blätterteiggebäck und feine Pralinen.
Während des Fluges habe sich der mutmaßliche Entführer nicht zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen geäußert, sagte Fallak. "Er hat sich wohl seinem Schicksal ergeben, dass er in Deutschland vor Gericht gestellt wird." Fallak geht davon aus, dass die Verhandlung Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres beginnen wird. Jan Philipp Reemtsma habe über seinen Anwalt erklären lassen, er werde als Nebenkläger daran teilnehmen.
Jetzt wolle sich Drach zunächst mit den Akten beschäftigen, damit er wisse, was ihm vorgeworfen werde, hieß es. Auf einen Verteidiger kann sich der mutmaßliche Entführer derzeit nicht stützen - er hat keinen. "Deshalb sucht er jetzt einen Anwalt", sagte Fallak.