Dresden Mutmaßlicher Bombenleger nennt unerwartet Mittäter
Dresden - Vogel wird angelastet, kurz vor Pfingsten 2003 eine mit 1,6 Kilogramm Sprengstoff ausgestattete Kofferbombe auf einem Bahnsteig des Dresdner Hauptbahnhofes abgestellt zu haben, um dann Geldforderungen von bis zu 120 Millionen Euro an die Deutsche Bank zu stellen. Jetzt behauptet der 63-Jährige, ein angeblicher Mittäter habe die Idee zu der Erpressung gehabt. Um der Geldforderung an die Bank Nachdruck zu verleihen, hätten sich beide auf die Bombe geeinigt.
Zwar gab der Angeklagte vor Gericht erneut zu, die Bombe gebaut, den Zündkreis geschlossen und den Koffer auf dem Bahnsteig abgestellt zu haben. Vogel zufolge war es allerdings sein Bekannter, der die Materialien für den Bau des Sprengsatzes in Tschechien besorgt hatte. Auch habe sein Freund die ersten vier Erpresserbriefe an die Deutsche Bank in Frankfurt am Main geschrieben, so der Angeklagte. Die später in dem Koffer gesicherte zweite DNA-Spur ist laut Gericht allerdings nicht mit der des Mannes identisch. Die Überprüfung aller Personen in Vogels Umkreis sei negativ gewesen.
Die Staatsanwaltschaft hatte das Ermittlungsverfahren gegen den aus Hessen stammenden Bekannten des Angeklagten eröffnet und bereits gestern dessen Wohnungen durchsucht. Der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft sagte, die Ermittlungen hätten nichts ergeben, was die Aussage des Angeklagten unterstütze. Das Ermittlungsverfahren gegen den Mann werde voraussichtlich wieder eingestellt.
Mit der Erklärung des Angeklagten verzögert sich der Prozess weiter, das geplante Plädoyer der Verteidigung wurde verschoben. Vogel muss sich seit Juni 2004 unter anderem wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer räuberischer Erpressung vor Gericht verantworten. Laut Experten war die Stadt damals nur knapp einer Katastrophe entgangen, weil ein Defekt die Explosion verhinderte. Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten bereits lebenslange Haft.