Drogenkriminalität: 30 Prozent weniger Tote - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Drogenkriminalität 30 Prozent weniger Tote

Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gesunken. Das gab das Gesundheitsministerium am Donnerstag bekannt. Der Rückgang sei auf die steigende Inanspruchnahme von Therapieplätzen zurückzuführen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Zahl der Drogentoten ist gegenüber dem Vorjahrszeitraum um fast 30 Prozent von 821 auf 568 gesunken. Für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Casper-Merk (SPD), ist der deutliche Rückgang auf die ausgeweiteten Hilfsprogramme für Süchtige zurückzuführen. Etwa die Hälfte aller Rauschgiftabhängigen werde mit einem Substitutionsmittel wie etwa Methadon behandelt, sagte Caspers-Merk bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Die Bundesregierung verzeichnete außerdem eine deutlich geringere Zahl von Erstkonsumenten harter Drogen. 2002 nutzten nur noch 2437 Heroin als Einstiegsdroge, das sind 823 weniger als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr diesen Jahres wurden 25 Prozent weniger Erstkonsumenten von Ecstasy registriert. LSD wurde nur noch in 87 Fällen als erster Kontakt zu Drogen genutzt. Dies ist gleichbedeutend mit einem Rückgang um 68 Prozent.

Die 21 Drogenkonsumräume in Hamburg, Frankfurt, Köln und sechs weiteren Großstädten, die seit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes errichtet wurden, zeigten nach Angaben der Bundesregierung deutlich Wirkung. In allen Städten, bis auf Hannover, sank die Zahl der Drogentoten erheblich. Dies zeige, dass die Einrichtungen die Ziele des Gesetzgebers, die Sicherung des Lebens und die Stabilisierung der Gesundheit, erfüllen, betonte die Drogenbeauftragte.

Die Fahnder konnten laut der aktuellen Studie bis Ende Juni 2002 doppelt so viele Ecstasytabletten sicherstellen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 90 Prozent der sichergestellten Pillen wurden in den Niederlanden hergestellt, 80 Prozent waren zudem nicht für den deutschen Markt bestimmt, sondern sollten nach Kanada, in die USA und nach Australien geschmuggelt werden, sagte Caspers-Merk.

"Die hohe Sicherstellungsmenge von Drogen, die für das Ausland bestimmt waren bedeutet, dass Deutschland nicht nur Konsumland, sondern auch ein wichtiges Transitland für den Drogenschmuggel ist." Man müsse die Anstrengungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit weiterhin verstärken, betonte Caspers-Merk.