Drogenschmuggel Der Milliarden-Dollar-Tunnel
Tierra del Sol - Der Einstieg in den Tunnel war unter dem doppelten Boden des Schranks versteckt. Fast 400 Meter weiter endete der Schmuggelweg im Kamin eines Hauses im mexikanischen Teil Tecates. Der Ort Tecate wird durch eine Metallmauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko geteilt.
Die Schmuggler hatten es bei ihrer Arbeit nicht ungemütlich: Elektrisches Licht erleuchtete den Weg zwischen den Holzwänden, eine Lüftung sorgte für frischen Sauerstoff, schreibt die Tageszeitung "Washington Post". Und die Drogenhändler arbeiteten offenbar erfolgreich: Die Röhre sei einer der lukrativsten Schmuggelwege, der je an der Grenze zu Mexiko gefunden worden sei, räumten Drogenermittler ein.
"Sie haben durch diesen Tunnel seit Jahren Kokain, Marihuana und andere Drogen im Wert von mehreren Milliarden Dollar in die USA geschmuggelt", zitiert die "Washington Post" den amerikanischen Drogenfahnder Errol Chavez. Der unterirdische Schmuggelpfad sei wahrscheinlich vor zwei oder drei Jahren vom Tijuana-Kartell gegraben worden.
Auf Schienen konnten die Schmuggler tonnenweise Drogenpakete sechs Meter tief unter dem Grenzzaun hindurchschieben. Die Ware wurde in der Schweinefarm auf der amerikanischen Seite dann auf Transporter geladen. Die Verbrecher teilten redlich - zumindest gegen Geld: Auch an andere Drogenringe sei der Tunnel vermietet worden, berichteten Ermittler. Illegale Flüchtlinge seien auf diesem Weg aber nicht in die USA gekommen.
Der Boden unter dem Grenzzaun zwischen Amerika und Mexiko gilt als löchrig: Immer wieder stoßen Fahnder auf Tunnel für Drogen und illegale Flüchtlinge. Den längsten Tunnel entdeckten US-Ermittler im Jahr 1993. Die fast 500 Meter lange Unterführung war aufgeflogen, obwohl Bauherr und Drogenbaron Joaquin "El Chapo" Guzman eine besondere Form der Geheimhaltung angewandt hatte: Die Arbeiter, die den Tunnel gegraben hatten, ließ er einfach töten, schreibt die "Washington Post".