Dschungelcamp: Ein bisschen Schmuddel
Dschungelcamp Lass es schmuddeln, Micaela
Prominenz ist wie höhere Mathematik, keiner weiß das so gut wie Micaela Schäfer. Mit dem Such-Algorithmus von Google lässt sie sich leicht errechnen. Wer die Buchstaben "Mic" dort eintippt, ist nur noch einen Klick von Schäfers freizügiger Website entfernt. Weitere Google-Vorschläge für das Model? "Brust-OP", "Akt", "Affäre", "Dusche".
Im Dschungel muss die 28-Jährige dieses Wortfeld weiter bedienen, sie weiß das. "Micaela liest Shakespeare", "mit Rollkragenpulli" oder "bisschen unscharf" werden niemals Google-Hits. Schmuddeln ist Schäfers Chance.
Im Gespräch mit Ramona Leiß ist das allerdings nicht ganz so einfach. Micaela fällt es sichtlich schwer, der Geschichte des langwierigen Outings der ehemaligen Fernsehmoderatorin zu folgen ("Es ging ein Aufschrei durchs Land"). Und sie ahnt: Es muss etwas passieren, bevor Ramona weitere lesbische Liebespraktiken erklärt ("sensibler und sensitiver").
In einer assoziativen Höchstleistung gelingt es dem Model, den dösenden Ailton in ein Gespräch über die Leiden homosexueller Fußballerkollegen zu verwickeln. Da ist sie dann plötzlich wieder, die flirrende Erotik des Dschungels, die der Brasilianer mit wenigen Worten in deutsche Wohnzimmer zu zaubern vermag: "Schwul mit schwul ist auch für mich nicht schön, Frau mit Frau muss ich akzeptieren."
So viel Akzeptanz lässt dann wiederum Ramona nicht kalt. "Ich hab ihn so verstanden, dass er gesagt hat: Es gibt sehr viele schwule Fußballer, auch in der Bundesliga, aber es ist für niemanden ein Problem, wenn die dabei sind."
Am Ende blickt Micaela auf eine solide Schmuddel-Bilanz: Lesbische Leidenschaft, hemmungslose Outings, schwule Fußballer, freie Liebe: Es ist für alle was dabei. Als es später im Camp unversehens unschmuddelig wird, grätscht das Model gekonnt dazwischen. "Ich bin ein ruhiger Mensch", sagt sie, bemerkt den Fehler sofort und korrigiert. "Ich hab aber gern dreckigen Sex."
Ekelfaktor: Der Haaransatz von Ramona Leiß.
Erotikfaktor: Martin Kesici mit offenen Haaren: Jesus war Berliner.
Entertainment-Faktor: Vincent Raven auf kaltem Nikotin-Entzug.
Dschungelweisheit des Tages: "Schwul und schwul ist für mich nicht schön. Frau mit Frau muss ich akzeptieren" - so differenziert wurde Homophobie im deutschen Fernsehen schon lange nicht mehr vorgetragen. Und das ist auch gut so, Ailton!
RTL kürt den Dschungelkönig der sechsten Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!", SPIEGEL-ONLINE-Autoren küren nach jeder Sendung ihren Gewinner des Tages.