Dschungelcamp Professor Hastig schleicht nach Hause
Er war ein kluger Kandidat. Wohlbeleibt und von onkelhafter Gelassenheit tapste Harry Wijnvoord über eine Woche lang von einer bequemen Dschungelnische zur nächsten. Er sprach wenig, enthielt sich tapfer dem darwinistischen Kampf um die Dschungelkrone und schloss immer häufiger Augen und Ohren vor dem drittklassigen Spektakel um ihn herum. Wie der selige Professor Hastig aus der Sesamstraße entschlief er periodisch dem Geschehen, um nach einem kurzen Nickerchen nahtlos den Anschluss ans Tagesgeschehen zu finden.
Harry Wijnvoord war clever. So clever, dass er sich mühelos bis ins Finale hätte durchschlafen können. Und dann das: "Ich habe meine Grenzen gefunden. Ich bin nicht mehr der Harry, der ich mal war." Sprach's, und bettelte: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" Acht Kilo hatte der Ex-Showmaster ("Der Preis ist heiß") trotz fortwährender Immobilität im Camp verloren. Am meisten zugesetzt hatten ihm offenbar die hygienischen Zustände in der australischen Urwald-WG: "Ich brauche eine Badewanne. Als Kind der Zivilisation kann ich schon gar keinen klaren Gedanken mehr fassen", bekannte Wijnvoord, dessen freiwilliger Show-Abgang kollektiv bedauert wurde. Als Erbe hinterließ der trotz Dschungelschwüle offenbar stets am Weltgeschehen interessierte Ex-Kandidat dem US-Präsidenten George W. Bush einen wohlmeinenden Rat: "Wer nicht abgewählt wird, muss selber gehen."
Auch der Rest der männlichen Survival-Kämpfer machte am elften Tag der Dschungel-Tortur keinen besonders drahtigen Eindruck. Ex-Fußballprofi Jimmy Hartwig, von seinen Mitstreitern für die tägliche Lebensmittel-Akquise via Mutprobe auserkoren, versagte kläglich. Unter den ernstlich mitfühlenden Blicken der Moderatoren Bach und Zietlow kämpfte er schon mit Ekel und Panikgefühlen, bevor er überhaupt zur "Perlentaucher-Prüfung" angetreten war. Die Aufgabe: Auf dem Grund eines mit Aalen, Blutegeln und Wasserschlangen besiedelten Bassins sollte Hartwig sieben Bojen aus ihrer Verankerung lösen und später gegen die lebenserhaltenden Essensmarken eintauschen. "Ich bin kein Hasenfuß, aber Schlangen sind nicht meine Welt", bekannte der ehemalige Nationalspieler mit vor Angst geweiteten Bernhardineraugen.
Als dann auch noch der fürsorgliche Camp-Arzt Dr. Bob darauf hinwies, man werde den Promi-Patienten sofort aus dem Wasser holen, sollte sich eine der braun gefärbten Baumnattern ins Wasser herablassen, war es mit der Selbstbeherrschung des wackeren Gruppentiers offensichtlich vorbei. Doch - Heldenmut, hurra - der tapfere Schlangenphobiker überwand seine Furcht und sprang in den Tümpel, um zwei Minuten später hyperventilierend und ohne jede Beute zurück ans Ufer zu hechten. "Ich habe die Hosen voll, hasse Schlangen und Wasser ist nicht mein Element. Ich bin auf dem Land zu Hause. Ich packe das nicht", konstatierte der Sportler und brach die Prüfung ab.
Die damit zu unfreiwilligem Fasten verdammte Resttruppe machte dem devot geknickten Jimmy bei seiner Rückkehr ins Lager keinen Vorwurf. Und glücklicherweise war ja nun ein Mäulchen weniger zu füttern: Mit der Abwahl von Camp-Nymphe Heydi Nunez Gomez demonstrierten die Zuschauer, dass weder Langweiler noch spirituell ambitionierte Schmolllippen im rüden Kampf um die Dschungelkrone eine Chance haben. Danke Deutschland.