Dschungelshow Augen zu und durch
Hamburg - Während sich die verbliebenen Kandidaten des Dschungelcamps in Singkreisen die Zeit vertrieben, hieß es für Kandidat Costa Cordalis: Mund auf, Augen zu und durch. Er musste aus Terrarien Sterne fischen, die die Essensrationen für die Kollegen bedeuten.
Allerdings befanden sich in den insgesamt acht Glaskästen nicht nur die Sterne, mit Klettverschluss an der Decke angebracht, sondern Echsen, Buschbienen, Blatthornkäfer, einige kleine Pythons und tarantelähnliche Huntsman-Spinnen, die schmerzhaft zubeißen können. Durch die mit einer mit Gummimanschette verschlossene Öffnung im Boden der Kisten musste der griechische Schlagersänger den Kopf in die Horrorkisten einführen, ganz langsam, um das Gekreuch nicht zu erschrecken oder gar zum Angriff zu reizen.
Er habe Angst gehabt, gestand Cordalis nach der erfolgreich absolvierten Prüfung. Er sei aber sehr froh, dass er mit dieser Aufgabe konfrontiert wurde und nicht eines der Mädels aus der Dschungeltruppe. Als er seinen Kopf in einen mit fetten Spinnen bewohnten Kasten steckte, sagte Cordalis, er denke jetzt ganz fest an Daniel Küblböck, der eine Spinnenphobie habe. "Vielleicht hilft ihm das ja, seine Angst zu überwinden."
Küblböck hatte allerdings am Donnerstag wenig Zeit, über Spinnen zu grübeln. Der 18-Jährige hatte einen akuten Anfall von Triebstau: Nachdem er zunächst die Oberweiten der Kolleginnen Mariella Ahrens und Caroline Beil taxiert hatte, versuchte er, Beil über ihr Paarungsverhalten auszufragen: "Du sitzt doch, glaube ich, gern oben." Der Sterneguckerin Antonia Langsdorf, die gestern das Camp verlassen musste, unterstellte er, sie sei im Bett wohl keine Führungskraft. "Du liebst es doch, wenn du genommen wirst." Kein Wunder, dass Langsdorf zum Abschied sagte, sie gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Warum die Kandidaten sich überhaupt bereit erklärt haben, bei der Show mitzumachen, will die "Bild"-Zeitung herausgefunden haben: Je nach Prominenz erhielten die Stars eine Aufwandsentschädigung zwischen 20.000 und 60.000 Euro, meldet das Blatt. Die Campbewohner hätten sie vertraglich verpflichtet, das Urwaldlager nicht vorzeitig zu verlassen, ansonsten drohe ihnen eine Vertragsstrafe von bis zu 60.000 Euro.
Zudem müssten sie die "Wünsche und Vorgaben des Produzenten stets beachten und entsprechenden Anweisungen Folge leisten". Über alles, was im Camp passiere, herrsche Stillschweigen, auch über das, was nicht im Fernsehen gezeigt werde. Ohne Absprache dürften sie mit niemandem reden, heißt es weiter. Eine Kündigung oder Rücktritt vom Vertrag sei ausgeschlossen.
"Das ist eine Art Knebelvertrag", wird Rechtsanwalt Klaus-Ulrich Groth, Fachmann für Vertragsrecht, in dem Blatt zitiert. Hier werde in Teilen das Persönlichkeitsrecht voll aufgehoben, und das sei sittenwidrig. Ein Sprecher der TV-Produktionsgesellschaft "Granada" wies die Vorwürfe zurück. Die Verträge seien von erfahrenen Juristen erstellt, geprüft und für gut befunden worden. Wie in allen Verträgen üblich, würden darin Rechte und Pflichten beider Seiten ausführlich und fair geregelt.