Dummer Bankräuber Ohne Sehschlitz in der Tarnkappe
Gießen - Für seinem ersten Überfall hatte sich der Mann aus Gießen akribisch vorbereitet: Plastikmesser, Wasserpistole und eine Tarnkappe waren besorgt. So gerüstet machte sich der 25-Jährige auf den Weg in die nächste Bank. Doch irgendwie klappte es nicht so, wie es hätte klappen sollen: Er hatte vergessen, in die Jute-Tasche, die ihm als Tarnkappe diente, Schlitze zu schneiden - und tappste folglich völlig blind mit der Spielzeugwaffe durch die Bank. Im Vorraum rempelte er eine Frau um, doch irgendwann fand er trotz des Sichtschutzes den Weg zum Banktresen. Doch seinem Ziel, Geld, war er auch dann nicht nähergekommen. Die Banksangestellten erklärten ihm, dass er wegen eines Zeitschlosses am Tresor kein Geld haben könne. Um wenigstens auf dem Weg nach draußen freien Blick zu haben, zog sich der Frustrierte die Tasche vom Gesicht - dabei schaute er direkt in die Kamera und hinterließ ein Porträtfoto.
Am nächsten Tag unternahm der Mann einen erneuten Versuch bei einer anderen Bank. Mit einem Verband um den Kopf, den er sich wegen einer Beule in einer Apotheke hatte anlegen lassen, schob er den Angestellten einen Zettel zu mit den Worten "Das ist ein Überfall, Geld her, mach schnell". Mit 2000 Euro flüchtete er aus der Filiale - doch er kam nicht weit: Die Polizei nahm ihn fest.
Dass er bei seinen Banküberfällen eine äußerst schlechte Vorstellung gab, stimmte die Richter trotzdem nicht milde. "Er war verkleidet wie ein Leuchtturm, wo nur noch das Blaulicht auf dem Kopf fehlte", sagte der Vorsitzende Richter. Der Mann wurde am Montag vom Landgericht wegen räuberischer Erpressung und einem Erpressungsversuch zu vier Jahren Haft verurteilt. Mit dem Urteil folgte das Gericht den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte hatte zuvor ein umfassendes Geständnis abgelegt. "Ich habe im Fernsehen gesehen, wie man eine Bank überfällt", erklärte er vor Gericht.