Echte Luft-Nummer - DER SPIEGEL
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Ausgerechnet ein Pornostreifen verspricht jetzt Antwort auf die Frage, wie Sex in der Schwerelosigkeit funktioniert. Zweifel am Wahrheitsgehalt sind erlaubt.
• aus DER SPIEGEL 23/1999
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Dramaturgie eines handelsüblichen Pornofilms ist in aller Regel vergleichsweise überschaubar: Männlein und Weiblein treffen aus nicht näher erläuterten Gründen aufeinander, tragen in den seltensten Fällen Unterwäsche und kommen alsbald zur Sache.

Dann folgen Großaufnahmen diverser artistischer Übungen, bis unvermutet eine Horde weiterer Pärchen den Raum betritt. Am Ende kopulieren alle bunt durcheinander. In anspruchsvolleren Filmen wird manchmal sogar geredet.

Neuerdings versuchen Pornoproduzenten, sich durch die Wahl möglichst exotischer Drehorte von der Masse abzuheben - was freilich ein ziemlich widersinniges Unterfangen ist. Ob die wilde Schwedin sich in Oberbayern, Obervolta oder Malibu auszieht, sieht man den obligatorischen Detailaufnahmen nicht an. Doch nun, so lautet zumindest die Ankündigung, ist eine Filmcrew an Drehorte vorgestoßen, die dem Konsumenten eine Abwechslung vom irdischen Einerlei versprechen: Jetzt gibt es das erste Pornovideo, das Szenen mit Sex in der Schwerelosigkeit enthält.

»The Uranus Experiment« heißt das Machwerk, und die Handlung ist ein bißchen verworren: Irgendwie geht es um eine amerikanisch-russische Weltraum-Mission, in deren Verlauf eine ziemlich hübsche, leider aber der KGB-Zugehörigkeit verdächtige russische Wissenschaftlerin hochgeheime Untersuchungen an Spermien durchführen soll - was wiederum zur Folge hat, daß die Besatzung unter ihren Nasa-Overalls stets nackt ist.

Filmhöhepunkt ist laut Eigenwerbung die Gewinnung des Untersuchungsmaterials - und zwar unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit. Weil es aber weder auf der »Mir« noch im »Space Shuttle« eine Drehgenehmigung für Schweinereien im Weltraum gibt, mußte die Schwerelosigkeit künstlich erzeugt werden.

Wie man das macht, ist seit Jahren bekannt und im Astronautentraining Standard: Ein speziell ausgekleideter Jet steigt auf rund 11 000 Meter Höhe, von dort läßt der Pilot den Flieger im Steilflug der Erde entgegenrasen. Für etwa 25 Sekunden herrscht dabei an Bord Schwerelosigkeit, Mann und Gerät schweben frei umher. Danach steigt die Maschine wieder steil nach oben, und der Sturz beginnt von neuem. »Parabelflug« nennen das die Wissenschaftler am Boden. »Kotzbomber« sagen diejenigen, die schon mal mitgeflogen sind. Einen solchen Flieger will Private, die Produktionsfirma, auch benutzt haben - aufgrund persönlicher Beziehungen soll das möglich gewesen sein. Nähere Nachfragen über Umstände und Kosten des Fluges ließ die PR-Abteilung unbeantwortet.

Auch bestens trainierten Pornodarstellern dürfte es kaum gelingen, in 25 Sekunden zum Vollzug zu schreiten - zumal von schreiten in der Schwerelosigkeit ja gar nicht die Rede sein kann. Die Partner müßten aufeinander zuschweben - und würden beim Zusammenprall mit ähnlicher Geschwindigkeit wieder in die entgegengesetzte Richtung entfleuchen. Die entsprechende Filmszene sieht aber sehr, sehr bodenständig aus.

Als wirklich echte Luft-Nummer preist Private vorsichtshalber nur einen sogenannten Cumshot - das ist in Schmuddelfilmen jene Einstellung, in der die Männer sichtbar zum Ende kommen.

Im »Uranus Experiment« scheint die schöne Russin tatsächlich ihrem US-Kollegen einen freischwebenden Lewinsky zu verpassen: Er schwebt in der Waagerechten, sie driftet an ihm entlang. Aber: Niemals sieht man den ganzen Körper frei schweben, und wenn man den Bildschirm um 90 Grad zur Seite kippt, sieht es verdammt so aus, als hätten beide sehr festen Boden unter den Füßen. Merkwürdig auch, daß die gesamte Szene gut 40 Sekunden dauert - obwohl die Crew nach eigener Angabe nur 27 Sekunden Schwerelosigkeit zur Verfügung hatte.

Über den Cumshot verbreitet die PR-Abteilung von Private, das klecksige Flugobjekt habe sich langsam und mit gleichbleibender Geschwindigkeit bewegt - woraufhin das Filmteam in Deckung gegangen sei, um bei Wiedereintritt in die Schwerkraft möglichst außer Schußweite zu sein.

Echte sowjetische Kosmonauten berichten nach Selbstversuchen allerdings über Entweichgeschwindigkeiten von gut 18 Stundenkilometern. Außerdem habe das Ejakulat sich weiteren Untersuchungen dadurch entzogen, daß es augenblicklich in Millionen kleinster Partikel zerstob und damit unwiederbringlich verloren war. ANSBERT KNEIP

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