Ehe-Tabus Lass uns nicht über Sex reden
Stuttgart - Der Wunsch, über die Themen Geld, Sex und Religion zu reden, sei zwar da, Gespräche folgten jedoch nicht. Dies ergab eine Emnid-Umfrage für das "Reader's Digest"-Magazin. Demnach haben 51 Prozent der Männer und 41 Prozent der Frauen dem jeweiligen Ehepartner "schon einmal etwas verheimlicht".
Sexualität ist laut Emnid noch immer ein Tabu-Thema zwischen Eheleuten. 1000 Verheiratete wurden interviewt. Fast jeder dritte befragte Mann (29 Prozent) äußerte den Wunsch, mit seiner Partnerin über den gemeinsamen Sex reden zu können. 24 Prozent der Frauen wünschen sich vor allem, sie könnten dem Partner sagen, er möge zärtlicher sein. Experten sehen durch diese Ergebnisse das alte Tabu-Problem bestätigt: "Auch heute wissen viele Paare nicht, wie sie darüber miteinander sprechen sollen", sagt der Kieler Partnerforscher Hans Jürgens.
Seitensprung vor dem Absprung
Darüber hinaus haben 33 Prozent der Männer der Partnerin gegenüber schon mal verschwiegen, dass sie eine andere Frau attraktiv finden. Und 22 Prozent der Männer würden eine Affäre wagen, wenn sie ihre Ehe nicht bedroht. Von den Frauen wären nur zwölf Prozent zu einem solchen Schritt bereit. Gibt es also harmlose Seitensprünge? "Eine Affäre steht am Ende einer Beziehungsstörung und nicht an ihrem Anfang", sagt dazu Hannes Niggenaber, Psychologe aus München. Der Seitensprung sei sozusagen der letzte Schritt vor dem Absprung. "Es ist immer ein absolutes Warnzeichen in einer Ehe, wenn man nicht nur jemand anderen attraktiv findet, sondern wenn auch Taten folgen", unterstreicht Niggenaber.
In deutschen Ehen wird aber nicht nur über das Thema Liebe und Sex geschwiegen. Am zweithäufigsten haben die Männer den Wunsch geäußert, öfter mit der Partnerin über religiöse Dinge sprechen zu können. Die verheirateten Frauen wünschten sich zu 34 Prozent, sie könnten mit ihrem Partner endlich einmal über dessen nicht vorhandene Ordnungsliebe reden.
Männer größere Geheimniskrämer
Ein klassisches, immer wiederkehrendes Problem ist das Thema Geld. So haben 32 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer dem jeweils anderen schon einmal eine Ausgabe verheimlicht: Der Kassenbon vom neuen Pullover verschwindet im Papierkorb. Angenehmer Nebeneffekt: Ein eventueller Streit über das liebe Geld wird damit auch verhindert. Stärker für den Nachwuchs verantwortlich fühlen sich laut Umfrage die Frauen in der Ehe. Und das Bild vom strengen Familienoberhaupt scheint auch noch zu gelten: So haben 30 Prozent der Mütter schon einmal Streiche der Kinder vor dem Vater verheimlicht.
Bleibt die Frage: Wer pflegt die Geheimniskrämerei mehr - die Männer oder die Frauen? Die Umfrage scheint dies klar zu beantworten: 64 Prozent der Frauen geben an, dass sie es sind, die zuerst Eheprobleme ansprechen. Das bestätigt auch Experte Niggenaber. Er nimmt seine Geschlechtsgenossen jedoch gleich in Schutz: "Den Männern ist das oft gar nicht bewusst."