Eheschließung Religionslehrerin gefeuert
Almería - Die Entlassung der Religionslehrerin hat in Spanien eine Welle der Kritik an der katholischen Kirche ausgelöst. Als die 36-Jährige am Montag nach den Sommerferien in ihre alte Dorfschule zurückkehrte, war ihr Posten ohne vorherige Mitteilung bereits an eine andere Lehrerin vergeben worden. Der Klerus ist nach Angaben spanischer Presseberichte der Meinung, Galera sei wegen ihrer Trauung für den Religionsunterricht nicht mehr geeignet. Der Bischof von El Ferrol in Nordspanien, José Gea Escolano, etwa meinte: "Ein Mitglied der Taliban könnte auch keine Lektionen in Demokratie erteilen."
Offiziell heißt es, der Vertrag sei nach sieben Jahren nicht mehr verlängert worden. Die Frau und ihr deutscher Ehemann - das Paar hatte sich vor einem Jahr standesamtlich trauen lassen - kündigten aber eine Klage wegen ungerechtfertigter Kündigung gegen das Bistum an. Notfalls wollen sie bis vor das Verfassungsgericht ziehen. Die geschasste Lehrerin meinte: "Im Mittelalter hätten mich einige dieser Bischöfe auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen."
Bei Gewerkschaften, Elternverbänden sowie der sozialistischen und kommunistischen Opposition stieß ihr Protest auf breite Zustimmung. Sie warfen der Kirche eine unzulässige Einmischung in das Erziehungswesen vor.
Der Religionsunterricht ist im katholischen Spanien seit dem Ende der Franco-Diktatur (1939 bis 1975) keine Pflicht mehr. Er findet in den öffentlichen Schulen nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern statt. Alternativ dazu gibt es "Ethikunterricht". Die Kirche, die im Jahr vom Staat mit etwa 275 Millionen Mark finanziert wird, schlägt die Religionslehrer aber vor.