Eilverfahren Papst wird Mutter Theresa selig sprechen
Rom - Eigentlich müssen nach dem Tod eines Menschen fünf Jahre vergehen, bis der Prozess der Seligsprechung beginnen darf. Diese Regelung hatte Papst Johannes Paul II. im Fall der Ordensfrau eigens außer Kraft gesetzt.
Mutter Teresa wurde weltweit berühmt als "Engel der Armen" von Kalkutta. 1910 in Mazedonien geboren, trat sie mit 18 Jahren den irischen Loreto-Schwestern in Dublin bei. Kurz darauf ging sie für den Orden nach Indien und arbeitete dort 20 Jahre lang als Lehrerin in einer Missionsschule. 1946 glaubte sie auf einer Zugreise den "Ruf Gottes" zu vernehmen, der ihr auftrug, in den Slums von Kalkutta den Ärmsten der Armen zu helfen. Mit Genehmigung des Vatikans legte Teresa ihre Ordensgewänder ab und trug fortan nur noch das Gewand der Armen in Bengalen: einen weißen Sari mit blauer Borte.
Teresa stellte ihr Leben unter den Leitsatz: "Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist." Viele folgten ihrem Beispiel. Schon 1949 gründete sie mit ihren zahlreichen Mitstreiterin eine eigene Ordenskongregation. Den drei Ordensgelübden Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam fügte sie als viertes den Dienst an den Armen hinzu. Die "Missionarinnen der Barmherzigkeit" unterwerfen sich einem harten Tagesablauf: Gebet um 4.30 Uhr, danach als einzige Mahlzeit des Tages das Frühstück: eine Handvoll Reis mit Curry. Bei Tagesanbruch schwärmen die Schwestern aus, um Sterbenden beizustehen, ausgesetzte Babys aufzusammeln und Brot an die Hungernden zu verteilen.
Zu Mutter Teresas Hilfsorganisation gehörten schon bald ein Sterbe- und ein Waisenhaus, eine Lepra-Kolonie, ein Haus für ledige Mütter und zahlreiche Schulen. Derzeit arbeiten 4.500 Nonnen in über hundert Ländern für die Gemeinschaft.
1979 erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis. Statt eines Festbanketts organisierte sie eine Armenspeisung. Nach einer schweren Herzerkrankung 1989 wollte sie die Leitung des Ordens abgeben, doch der Papst nahm ihren Rücktritt erst 1997 an. Sie starb im gleichen Jahr.
Kritiker werfen den "Missionarinnen der Nächstenliebe" vor, dass sie zu wenig auf eine Veränderung der sozialen Umstände hinarbeiteten. Ihre Arbeit sei zudem nicht genug mit anderen Hilfsorganisationen vernetzt.
Selig gesprochen werden kann nur, wer Wunder bewirkt hat. Im Falle der Mutter Teresa soll eine Frau von einem Eierstock-Tumor geheilt worden sein, nachdem man ein Bildnis der Ordensfrau auf ihren Unterleib gelegt hatte. Indische Wissenschaftler hatten kürzlich bezweifelt, dass es sich bei der Heilung um ein Wunder handle. In Rom erwartet man dennoch ihre spätere Heiligsprechung.