Eingesperrtes Mädchen Mutter will Sorgerecht behalten
Ursberg - "Schätzle" oder "Schatzi" habe sie ihre Tochter gerufen, sagte die Bäuerin in einem Gespräch mit dem Bürgermeister des bayerischen Dorfes Ursberg, Ewald Schmid. Der Kommunalpolitiker traf sich mit der 46-Jährigen zu einem Gespräch, bei dem sie auch die Geburtsurkunde ihrer Tochter unterschrieb, die nun den Namen "Anja" trägt.
"Die Frau war gefasst und ruhig, sie machte auf mich fast einen erleichterten Eindruck", sagte Ewald Schmid nach der Begegnung. Auf die Frage, ob sie denn wisse, wie es ihrem Kind gehe, habe die Frau geantwortet: "Mit Sicherheit besser als vorher." Sie habe hinzugefügt: "Irgendwann musste es ja enden."
Er sei sich sicher, sagte Schmid, dass die Frau ihr Kind liebe. Warum sie das Mädchen so lange eingesperrt hat, sagte die Frau dem Bürgermeister aber nicht.
Heute wurde die Frau von Kriminalbeamten vernommen: Sie habe "umfassende Angaben zur Sache" gemacht. Sie hatte bereits früher angegeben, durch schwierige Lebensumstände und schließlich die Geburt der unehelichen Tochter in eine Situation geraten zu sein, aus der sie aus eigener Kraft nicht mehr herausgefunden habe. Für die Ermittler gilt es jetzt zu klären, wie das jahrelange Einsperren des Kindes strafrechtlich zu werten ist.
Das zuständige Jugendamt hat mittlerweile den Entzug des Sorgerechts beantragt. Nächste Woche soll Anjas Mutter beim Familiengericht dazu gehört werden, sie will das Sorgerecht aber offenbar nicht abgeben. Zunächst hatte sie nach Angaben des Landratsamts Günzburg mündlich eingewilligt, dass ihr Kind in amtliche Obhut genommen wird. Das dazugehörige Formular habe sie dann jedoch nicht unterzeichnet.
Bürgermeister Schmid sagte, er könne sich durchaus vorstellen, dass das Kind wieder zur Mutter zurückkehrt. Denkbar sei, dass das Mädchen tagsüber in einer Behinderteneinrichtung betreut, aber nicht völlig von der Mutter getrennt werde. Darüber hätten aber das Vormundschaftsgericht und das Jugendamt in Absprache mit den weiteren betroffenen Behörden zu befinden.
Am 18. Juli wird das Mädchen acht Jahre alt. Bis zur Hausdurchsuchung am vergangenen Donnerstag hatte Anja nie das Tageslicht gesehen. Sie war seit ihrer Geburt in einem völlig verwahrlosten und ständig abgedunkelten Zimmer untergebracht.
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