Eiswinter: Rekordkälte frostet Ostdeutschland - DER SPIEGEL
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Klirrend kalt: Sohland an der Spree, minus 23,9 Grad

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Eiswinter Rekordkälte frostet Ostdeutschland

Temperaturen wie in der Tiefkühltruhe: An mehreren deutschen Wetterstationen wurde die frostigste Nacht des Jahres gemessen - den Rekord hält ein Ort in Sachsen mit fast minus 24 Grad. Der Dezember ist damit einer der kältesten seit rund 160 Jahren.
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Hamburg - Mitten durch Deutschland verläuft zurzeit die Trennlinie zwischen kalt und eiskalt. In der Nordosthälfte des Landes, in Unter- und Oberfranken, in der Oberpfalz sowie in Teilen Thüringens und Sachsens wurden in der Nacht zu Donnerstag Rekord-Minusgrade registriert. "Im Osten Deutschlands haben wir gebietsweise die kälteste Nacht des Jahres 2010 gemessen", sagte Stefan Laps von Meteomedia SPIEGEL ONLINE.

Der Wetterdienst meldete von mehr als 20 Stationen Rekordfrost, die Werte lagen unter minus 20 Grad. Die kälteste Nacht wurde unter anderem an folgenden Orten erreicht:

  • - 23,9 Grad: Sohland an der Spree (Sachsen)
  • - 23,0 Grad: Tirschenreuth-Lodermühl (Bayern)
  • - 22,9 Grad: Oderwitz (Sachsen)
  • - 22,5 Grad: Bad Colberg-Heldburg (Thüringen)
  • - 22,2 Grad: Eschenfelden, Frankenalb (Bayern)
  • - 21,3 Grad: Bamberg (Bayern)
  • - 20,6 Grad: Görlitz (Sachsen)

In einigen anderen Orten, beispielsweise in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens, war die Nacht zum 27. Januar 2010 die kälteste des Jahres. Lippstadt-Bökenförde kam damals auf minus 19,7 Grad Celsius, nun wurden minus 15 Grad erreicht. Der kälteste Ort in NRW der vergangenen Nacht war Gütersloh mit minus 16,3 Grad.

Wie schon in den Tagen davor war es in der Südwesthälfte Deutschlands vergleichsweise mild. Nachfolgend eine Auswahl der mildesten Orte mit den höchsten Minimumtemperaturen:

  • + 1,4 Grad: Meersburg am Bodensee (Baden-Württemberg)
  • + 1,0 Grad: Perl-Nennig (Saarland)
  • + 0,9 Grad: Endenburg im Schwarzwald (Baden-Württemberg)
  • + 0,8 Grad: Lindau-Bad Schachen (Bayern)
  • + 0,7 Grad: Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen)
  • + 0,6 Grad: Bernkastel-Kues (Rheinland-Pfalz)

Am Donnerstag baute sich laut Meteomedia vorübergehend eine Hochdruckbrücke von den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis zum Schwarzen Meer auf. In ihrem Bereich bestimmt bodennah vor allem im Nordosten und Osten Deutschlands weiterhin sehr kalte Luft das Wetter, während im Südwesten und Westen Deutschlands mildere Luft eingeflossen ist. Unterdessen hat sich über dem Nordmeer Sturmtief "Vesna" gebildet, dessen Ausläufer sich mit milderer Nordseeluft von Norden nähern.

Zu Silvester soll es überall nur noch leicht frieren, ein Wolkenvorhang könnte aber den Blick auf Feuerwerke beeinträchtigen. Das neue Jahr startet mit Schnee.

Berge von Schnee und Backofenglut

Laut Meteorologen ist der diesjährige Dezember einer der kältesten seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen vor rund 160 Jahren. Die ersten Schneefälle folgten Ende November ungewöhnlich zeitig. Auch der Dezember war, beispielsweise in Sachsen-Anhalt, bis zu sechs Grad kälter als in anderen Jahren. Auch insgesamt ist das Jahr kälter als im Durchschnitt: Die Jahresmitteltemperatur beispielsweise in Sachsen-Anhalt lag bei 8,3 Grad - und damit 0,7 Grad unter dem langjährigen Normalwert.

Zum Teil liegt das am eisigen Wetter Anfang des Jahres: Die strengen Fröste im Januar erreichten laut Meteorologen in Bodennähe stellenweise Werte unter minus 25 Grad. Auch im Februar war es rund ein Grad kälter als durchschnittlich.

Insgesamt war 2010 aus Sicht der Meteorologen ein Jahr der Gegensätze: Strenge Kälte und viel Schnee, Trockenheit, aber auch extreme Nässe. Auf einen milden März folgte ein trockener und sonnenreicher April. Der 29. April war in manchen Orten mit 25 Grad der erste Sommertag des Jahres. Im krassen Gegensatz dazu stand der Mai, der deutlich zu nass und zu kalt war. Im Juni und Juli kam dann eine Backofenhitze mit Temperaturen um 30 Grad und extremer Trockenheit. Im August war es wieder zu nass, und es gab nur drei Tage, an denen es landesweit nicht regnete. Lokale Überschwemmungen und Hochwasser waren die Folge. Der September war zu kalt und bot wenig Sonnenschein. Dagegen war der Oktober zu trocken und auch zu kalt. Dafür lag die Sonnenscheindauer über der Norm.

Ob all das dem Klimawandel angelastet werden kann? Das ist nach Einschätzung von Meteorologen fraglich - zumindest deuten die Wetterextreme auf die Veränderung des Klimas hin.

siu/ dpa

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