Eitelkeiten im Hurrikan-Chaos "Ich bin ein Modegott"
Washington - Hurrikan "Katrina" hatte gerade die USA verwüstet, Menschen waren gestorben, Millionen vorübergehend obdachlos geworden. Ganz New Orleans stand unter Wasser, der Wirbelsturm war eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Der Mann an der Spitze des US-Katastrophenschutzes hatte in jenen Tagen allerdings andere Sorgen, wie jüngst veröffentlichte E-Mails zeigen.
"Meine Augen müssen mich täuschen, du siehst toll aus", schreibt die Leiterin der PR-Abteilung am 29. August um 7.10 Uhr morgens an Michael Brown, den Fema-Chef. "Ich habe die Sachen von Nordstrom", schreibt dieser zurück, "bist du stolz auf mich?" Eine Stunde später legt Brown nach: "Du wirst dich nicht mehr einkriegen, wenn du mich in meinem wunderschönen Fema-Outfit siehst", schreibt er, "ich bin ein Modegott."
Zu diesem Zeitpunkt war "Katrina" bereits über Florida hinweg gezogen und auf die höchste Stufe fünf taxiert worden. Sieben Menschen waren ums Leben gekommen, Millionen mussten ohne Strom auskommen. In Louisiana und Mississippi wurde der Notstand ausgerufen, New Orleans zum Katastrophengebiet erklärt.
Brown, dessen miserables Krisenmanagement ihn nach "Katrina" sein Amt kostete, bekam eine Woche später Kleidungstipps von seiner Beraterin Sharon Worthy. "In dieser Krise musst du im Fernsehen einfach mehr danach aussehen, als würdest du hart arbeiten", schreibt seine Mitarbeiterin. "Kremple die Ärmel hoch", so Worthy, schließlich habe selbst Präsident Bush bei öffentlichen Auftritten, "die Ärmel bis knapp unter die Ellbogen aufgekrempelt".