Elterncouch Kohle scheffeln mit den Kleinen
Jedes Kind kostet seine Eltern 130.000 Euro. Sagt das Statistische Bundesamt. Von wegen, meint Jonas Ratz: So macht man mit den Kleinen das ganz große Geld.
Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich eine Mutter und zwei Väter regelmäßig auf die Elterncouch.
Jonas Ratz schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Theodor Ziemßen und Juno Vai.
Liebe Leser, lassen Sie uns über Geld sprechen: Das Statistische Bundesamt hat ausgerechnet, dass jedes Kind die Eltern im Durchschnitt 130.000 Euro kostet. Allein bis zum 18. Lebensjahr.
Während Sie jetzt vielleicht gerade anfangen, sich all die Sportwagen, Traumhäuser und Luxus-Karibikurlaube auszumalen, die Ihnen wegen Ihrer Kinder entgangen sind, frage ich: Aber was ist mit den Einnahmen? Also ich meine jetzt nicht dieses immateriell-gefühlige "Mein Kind gibt mir ja sooooo viel." Sondern Kohle, Asche, Scheine. Cash.
Sie schauen verwundert? Hier kommt mein Vier-Punkte-Plan, wie Sie mit ihrem Kind üppige Einnahmen generieren können. Los geht's.
Punkt 1: Kindergeld und Kinderfreibetrag. Ab dem 1. Januar 2018 (denken wir mal nach vorne) gibt es für das erste und zweite Kind 194 Euro, für das dritte 200 und ab dem vierten sogar 225 Euro! Also eine Art Mengenrabatt mit umgedrehten Vorzeichen. Macht bei acht Kindern (mehr lässt der Kindergeldrechner nicht zu) 1681 Euro.
Alles für die schwarze Null
Ab 45 Kinder kommen wir sogar schon in den fünfstelligen Bereich. Netto! Jeden Monat! Steuerfrei! Wer darüber hinaus eine Riester-Rente abgeschlossen hat, dem zahlt der Staat Zuschüsse für jedes einzelne Kind, bis zu 300 Euro pro Jahr.
Aber was sind schon die paar läppischen Euro gegen Punkt 2: All das, was ein Kind in der akuten Niedlichkeitsphase sonst in die Familienkasse spült. Allein die flachen Geschenke von Tante Maria zur Geburt. Oder der zugesteckte Zwanziger von Onkel Ernst, der bei jedem Familienfest behauptet, Oliver hätte genau seine Nase geerbt (solange es nicht sein Haarausfall ist, meinetwegen).
Der Dauerauftrag von Oma Elisabeth für den Führerschein, jeweils einen für Oliver und für Frederik, läuft seit der Geburt - ich bin zuversichtlich, dass ich bis zur Auszahlung genügend fadenscheinige Argumente gesammelt habe, um mich als treuhändischer Verwalter zu empfehlen. Funktioniert ja jetzt schon beim Taschengeld ganz gut: Frederik bekommt 1,50 die Woche, Oliver 20 Cent, aber dank meiner fachkundigen Beratung haben sie bisher noch nichts davon ausgegeben, sondern stecken jeden Cent in ihre Spardosen. Alles für die schwarze Null. Wolfgang Schäuble wäre stolz, wüsste er von derlei Haushaltsdisziplin im Kita-Alter.
Bad kacheln, Dach decken? Ich hab doch Söhne!
Ein gut gehendes Nebengeschäft - Punkt 3 - ließe sich darüber hinaus mit all den kaum getragenen Kleidern und kaum benutzten Spielsachen aufziehen - wenn man die Regeln kennt. Denn auch bei Kinderflohmärkten gibt es Unterschiede: Je nach Stadtteil und SUV-Dichte auf dem Kita-Parkplatz variieren auch die Preise, die für Bodys im Zehnerpack und eingespeichelte Duplo-Klötze gezahlt werden. Mein Tipp: Großeinkauf im Problembezirk und Verkauf im In-Viertel, am besten in Kombination mit einem fair gehandelten Kaffee mit Sojamilch pro Interessenten.
Sind Oliver und Frederik dann dereinst groß genug, den Rasenmäher zu bedienen, wird es - Punkt 4 - richtig spannend: Nicht dass wir für die zwölf Quadratmeter Rasenfläche einen Gärtner beschäftigen würden, aber ich baue darauf, dass wenigstens einer der beiden ein wenig mehr handwerkliches Geschick an den Tag legt als ich: Regale anbohren, Lampen aufhängen, Bad kacheln, Fußbodenheizung verlegen und das Dach neu decken - nichts davon werde ich überteuerten Handwerkern überlassen. Ich hab doch Söhne! Und hab ihnen schon zum zweiten Geburtstag die Bosch-Kinderwerkbank samt Akkubohrer und Schraubzwinge geschenkt. Gut, die bisherigen Konstruktionen der beiden aus Kapla-Steinen und Spucke sind recht wackelig. Aber mit ein paar YouTube-Tutorials wird das schon laufen.
So also stelle ich mir das Leben mit meinen Kindern vor, ein Regen aus Geld und geldwerten Vorteilen. Und wenn ich schließlich im Altenheim sitze und mir Oliver jede Woche 1,50 Euro Taschengeld für Hustenbonbons zusteckt, werde ich nur leise lächeln. Wenn der wüsste, dass der Dauerauftrag von Oma Elisabeth noch immer läuft. Auf meinen Namen.
Jonas Ratz,
Vater von Frederik (vier Jahre) und Oliver (anderthalb Jahre)
Liebstes Kinderbuch: "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak (Oft habe ich das Gefühl: bei uns zu Hause...).
Nervigstes Kinderspielzeug: mein Smartphone
Erziehungsstil: Erziehung ist das, was passiert, während man daran scheitert, ein Vorbild zu sein.
Sammelt: Kinderworte. Hafersocken statt Haferflocken, Sambalamba statt Salamander. Kennen Sie auch solche kreativen Abwandlungen? Schreiben Sie an kinderworte@spiegel.de .
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