England: Millionenstrafe für erfundene Vergewaltigung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

England Millionenstrafe für erfundene Vergewaltigung

Drei Jahre lang stand ein Drogeriechef unter dem Verdacht, seine Angestellte vergewaltigt zu haben. Dann befand ihn das Gericht für unschuldig. Die Frau, die den Mann zu Unrecht beschuldigt hatte, muss nun eine Millionenstrafe bezahlen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Newcastle - Lynn Walker, 33, wurden von einem Gericht im nordenglischen Newcastle 1,28 Millionen Mark (400.000 Pfund) an Schadensersatz und etwa 480.000 Mark (150.000 Pfund) an Prozesskosten auferlegt. Wie die BBC am Dienstag berichtete, sind alle ihre Guthaben bereits eingefroren worden. Walker hatte ihren Vorgesetzten Michael Garfoot beschuldigt, sie im Januar 1996 nach Dienstschluss vergewaltigt zu haben.

Sie ging jedoch nicht zur Polizei und suchte auch keine ärztliche Hilfe. Erst elf Monate später erhob sie den Vergewaltigungsvorwurf in zwei Schreiben an das Management der Drogeriekette. Garfoot wurde daraufhin versetzt. Er wehrte sich, indem er vor Gericht zog. Dort sah die Jury unter anderem Aufnahmen einer Sicherheitskamera in der Drogerie aus den Tagen nach der angeblichen Vergewaltigung. Nach den Bildern zu urteilen, schien Walker ein unverändert normales Verhältnis zu ihrem Kollegen zu haben. Sie gab ihm sogar ein Geschenk, als er krank war.

Der Familienvater sagte nach dem Urteil, die letzten drei Jahre seien "die Hölle" für ihn gewesen. Sein Anwalt fügte hinzu: "Wenn jetzt jemand auf ihn zukommt und fragt 'Sind Sie nicht derjenige, der eine Kollegin vergewaltigt hat?', dann kann er sagen: 'Nein, das bin ich nicht, und zwölf Geschworene haben mir wegen dieses Vorwurfs substanziellen Schadensersatz zugesprochen'."