Enschede Bewohner dürfen erstmals zu Ruinen ihrer Häuser
Enschede - Bisher wurden 18 Tote geborgen. Vier Menschen werden noch vermisst. Von insgesamt 947 Verletzten liegen fünf noch auf Intensivstationen.
Etwa 1400 Bewohner und Unternehmer aus dem unmittelbaren Katastrophengebiet sollen erstmals mit eigenen Augen sehen, was nach der verheerenden Explosion vom 13. Mai von ihrem Eigentum übrig geblieben ist. Die Stadtverwaltung will sie mit Bussen dorthin bringen, wo ihre Häuser standen. Ob sie auch aussteigen dürfen, soll von der jeweiligen Sicherheitslage abhängig gemacht werden.
Inzwischen haben 450 Haushalte, die durch die Katastrophe obdachlos wurden und nicht mehr in ihre früheren Häuser zurückkönnen, anderswo Wohnraum erhalten, teilten Wohnungsbau-Gesellschaften mit. Bis zum 15. Juni hoffen sie, allen Obdachlosen eine permanente Unterkunft zuweisen zu können.
Der Verband der Versicherungen rechnet damit, etwa 600 Millionen Gulden (530 Millionen Mark) vergüten zu müssen. Etwa 3500 Schadensforderungen lägen derzeit vor. Die Stadt hat inzwischen Überbrückungshilfe für die obdachlos gewordenen Katastrophenopfer ausgezahlt, 1500 Gulden (1320 Mark) für Ledige, 2100 Gulden (1850 Mark) für Verheiratete.
Die Ermittlungen nach der Unglücksursache gehen weiter. Am Dienstag hat der Untersuchungsrichter auch für Fabrikdirektor Ruud Bakker die Fortdauer des Polizeigewahrsams für zehn Tage verfügt. Bakkers Kompagnon Willem Pater war einen Tag zuvor für die gleiche Spanne festgehalten worden. Beide weisen nach Angaben ihrer Anwälte den Verdacht zurück, dass sie für die Katastrophe verantwortlich sind.
Bakker hat nach Presseberichten auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die Katastrophe durch Brandstiftung entstanden sei. Darauf wiesen drei Brandherde hin, die er nach dem Feueralarm und vor der großen Explosion auf dem Fabrikgelände gesehen habe. Die strafrechtlichen Ermittlungen richten sich nach Angaben der Justiz wegen möglicher Brandstiftung auch gegen unbekannt.
Die Besitzer der Fabrik bestritten auch, dass sie auf dem Betriebsgelände hochgefährliche Feuerwerkskörper ohne Genehmigung gelagert oder produziert hätten. Daneben wiesen sie Vermutungen zurück, dass am Tag der Explosion in dem Werk gearbeitet worden sei.