Enschede-Inferno Verzweifelte Suche nach Vermissten
Enschede - Bei dem Explosionsunglück im niederländischen Enschede sind insgesamt 628 Menschen verletzt worden. Der stellvertretende Bürgermeister Eric Helder korrigierte am Montagabend die Zahl der Verletzten nach oben. Es sei erst jetzt bekannt geworden, dass nach der Detonation am Samstag mehrere Bürger in Krankenhäusern behandelt wurden, ohne dass eine Meldung an die Rettungsleitstelle erging. Weitere Tote habe man nicht entdeckt. Bisher hatten die Rettungsmannschaften 15 Leichen geborgen. Erst vier von ihnen konnten den Angaben zufolge identifiziert werden.
Auch zwei Tage nach dem Unglück war der Verbleib von etwa 200 Menschen unklar. Sie hätten sich noch nicht bei den Behörden gemeldet, sagte Helder. 42 Verletzte befanden sich noch in Krankenhäusern, sechs davon auf der Intensivstation. Die Suche im so genannten "inneren Ring", dem Kerngebiet der Explosion, werde fortgesetzt. Erst 15 Prozent der dort zerstörten Gebäude seien bislang nach menschlichen Überresten durchsucht worden, hieß es.
Unterdessen liefen die Vorbereitungen zur Klärung der Unfallursache auf Hochtouren, betonte der Vizebürgermeister. Es werde derzeit eine unabhängige Kommission unter Mitwirkung mehrerer Experten sowie Ministerien gebildet, deren Leiter voraussichtlich am Dienstagmorgen benannt werde, sagte Helder am Montagabend im Enscheder Rathaus. Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es.
Rund 2000 Bewohner des betroffenen Stadtviertels Mekkelholt waren am Montagnachmittag erstmals in ihre zum Teil zerstörten Wohnungen zurückgekehrt. Etwa 80 Menschen müssen laut Helder eine weitere Nacht in der zum Auffangager umfunktionierten Turnhalle verbringen.