Entführte Deutsche: Lebenszeichen aus dem Busch - DER SPIEGEL
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Entführte Deutsche Lebenszeichen aus dem Busch

Erstmals seit ihrer Entführung im kolumbianischen Urwald vor rund zwei Monaten haben mehrere entführte Geiseln, darunter eine Bremerin, jetzt ein Lebenszeichen abgesetzt. Auf dem Videoband fordert Reinhilt Weigel, die deutsche Regierung solle mehr für die Freilassung tun.
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Berlin - Das am Mittwoch veröffentlichte Videoband ist das erste Zeichen, dass die entführten sieben Touristen offenbar noch leben. Auf dem Band, das ein Journalist der Nachrichtenagentur Reuters bei einem Besuch des Geisel-Camps von den Kidnappern bekam, sind alle der sieben Geiseln zu sehen. Die Touristen aus Deutschland, Großbritannien, Spanien und Israel waren am 12. September von der kolumbianischen Guerillatruppe ELN (National Liberation Army) in der Bergregion der Sierra Nevada im Norden Kolumbiens entführt worden.

Die ELN hatte bereits kurz nach der Geiselnahme angekündigt, die Touristen frei zu lassen, wenn die kolumbianische Regierung eine Kommission in das Sierra-Nevada-Gebiet einreisen lasse, die die humanitäre Situation der Indios in der Region überprüfen soll. Seitdem wird von Seiten der Regierung über Vermittler der katholischen Kirche bisher erfolglos verhandelt.

Die Entführten schilderten in dem Video vor allem ihre körperliche Erschöpfung. Von den langen Märschen, der Kälte und dem Hunger seien sie ausgezehrt und müde. Spanische Medien berichteten, dass die Geiseln in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten festgehalten werden, um eine gewaltsame Befreiung zu vermeiden. Die Entführer hatten bereits mehrmals gedroht, die Geiseln bei einem Befreiungsversuch zu töten. Einer der Entführten konnte sich jedoch trotz der strengen Bewachung absetzen und fliehen.

"Wär' gut, wenn ihr irgendwie Druck auf die Regierung ausüben könntet"

Die deutsche Geisel Reinhilt Weigel stellte jedoch auf dem Band auch konkrete Forderungen an die Bundesregierung. "Wär' gut, wenn ihr irgendwie Druck auf die Regierung ausüben könntet in Kolumbien, dass die eine internationale Kommission in die Sierra Nevada reinlässt, um zu sehen, was hier los ist", sagte die Deutsche.

Danach nahm Weigel zu der Situation in Kolumbien Stellung. "Also hier sind ganz viele Leute, die hungern, so wie ich das jetzt auch erfahren habe", so die ruhig wirkende Frau. In mehreren Einstellungen ist zu sehen, wie sie Reis, Fleisch und Bananen isst. Es sei kalt und es gebe keine Medikamente, sagte sie, während ihr Regen über das Gesicht lief. "Und darum kämpft jetzt die ELN, dass sich da was ändert", so die Deutsche.

Wie die Aufnahmen zustande gekommen sind, blieb am Mittwoch unklar. Auffällig ist aber der starke Propaganda-Charakter des Videos. In vielen der Ausschnitte sind auf schwarz-roten Flaggen die spanische Abkürzung der marxistischen Rebellenorganisation ELN zu sehen. Die Rebellen im Hintergrund tragen Kampfanzüge, Gewehre und Tücher vor den Gesichtern.

Verhandlungen laufen weiter

In Berlin wurde das Video mit Erleichterung aufgenommen. "Wir freuen uns, dass es den Geiseln offenbar gut geht", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Über den Stand der Verhandlungen oder zu den Forderungen der deutschen Geisel wollte der Sprecher aus Rücksicht auf das Leben der Geiseln nichts sagen.

Aus Sicherheitskreisen in Berlin war zum Stand der Verhandlungen lediglich zu erfahren, dass weiter über die kirchlichen Vermittler mit den Entführern gesprochen würde. Nach den Angaben seien die Deutschen nicht direkt in die Gespräche involviert, würden aber über die aktuelle Entwicklung auf dem Laufenden gehalten. Bisher gebe es aber keine Erkenntnisse, die auf ein schnelles Ende der Geiselnahme hindeuteten.