Entführter Frachter: Reederei rechnet mit mehreren Toten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Piraten vor Somalia: Neuer Seekrieg

Entführter Frachter Reederei rechnet mit mehreren Toten

Der Überfall auf den deutschen Frachter "Beluga Nomination" könnte mehr Opfer gefordert haben als bislang bekannt. Die Bremer Reederei geht inzwischen von drei toten Besatzungsmitgliedern aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bremen - Bei der dramatischen Entführung des deutschen Frachters "Beluga Nomination" im Indischen Ozean sind möglicherweise drei Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Vermutlich seien zwei Seeleute von den Piraten erschossen worden, zudem sei der leitende Ingenieur des Schiffs bei einem Fluchtversuch "womöglich ertrunken", teilte die Beluga-Reederei in Bremen am Freitagabend mit. Es sei aber noch immer unklar, "was im Detail wirklich passiert ist". Bislang war von womöglich zwei toten Besatzungsmitgliedern die Rede gewesen.

"Wir sind erschüttert, betroffen und entsetzt über die Vorfälle", sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Reederei, Nils Stolberg. "Die Brutalität und Grausamkeit der Entführer ist schier unfassbar - und wir trauern gemeinsam mit den Angehörigen und den Familien der drei Opfer."

Die "Beluga Nomination" mit ihren zwölf Besatzungsmitgliedern aus der Ukraine, Russland, Polen und den Philippinen war vor rund zwei Wochen von somalischen Piraten attackiert worden. Die Besatzung rettete sich zunächst in einen mit starken Stahltüren gesicherten Schutzraum, den die Piraten aber nach zweieinhalb Tagen öffnen konnten.

Nach SPIEGEL-Informationen erreichten später ein dänisches Kriegsschiff und ein Patrouillenboot der Seychellen den Frachter, bei einem Feuergefecht sollen ein oder zwei Seeräuber getötet worden sein. Zwei Matrosen gelang die Flucht mit einem Rettungsboot. Im Zuge des Gefechts sollen auch die beiden Matrosen getötet worden sein.

Die Beluga-Reederei teilte mit, den sieben an Bord verbliebenen Besatzungmitgliedern gehe es "den Umständen entsprechend". Die Reederei habe regelmäßig telefonischen Kontakt mit der Besatzung.

Als Konsequenz aus der Entführung kündigte das Unternehmen an, künftig privates Sicherheitspersonal auf den Frachtern in der Region einzusetzen. Einige Schiffe hätten jedoch auch kurzfristig ihre Route geändert, um der Piraterie zwischen dem Horn von Afrika und den Seychellen zu entgehen. Die Maßnahmen kosten nach Angaben der Reederei allein bis April einen "zweistelligen Millionenbetrag". Sie seien nötig, um "zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit gewährleisten zu können".

jdl/AFP