Entführter Säugling Klinikleitung setzt Belohnung aus
Leverkusen - Wie ein Polizeisprecher heute berichtete, fehlt auch zwei Tage nach dem Kidnapping des kleinen Mädchens am Mittwochnachmittag von der Täterin jede Spur. Die Eltern des Säuglings baten die unbekannte Täterin verzweifelt um Rückgabe ihres neugeborenen Mädchens. Mit Hilfe von Fernsehsendern wandte sich das Paar heute aus der Klinik an die Entführerin, sagte Chefarzt Anton Humrich von der Abteilung für Gynäkologie.
Die etwa 40-jährige, schwarzhaarige Frau mit ausländischem Akzent hatte den Angaben zufolge ganz in Weiß und mit einem Kopftuch bekleidet gegen 15 Uhr das Zimmer der Mutter betreten. Sie erklärte, das Kind auf die Station bringen zu wollen, und nahm den Säugling mit. Erst als gegen 16 Uhr eine Hebamme das kleine Mädchen zu einer Untersuchung abholen wollte, wurde dessen Verschwinden festgestellt. Die 35-jährige Mutter befindet sich nach dem Schock über die Entführung noch im Krankenhaus in Leverkusen-Opladen und wird dort unter anderem psychologisch betreut.
Trotz einiger telefonischer Hinweise fehlt der Polizei laut eigener Aussage momentan eine heiße Spur. "Wir sind auf weitere Zeugenaussagen angewiesen", sagte der Polizeisprecher heute. Die Ermittler baten die Bevölkerung um Hinweise auf Frauen, die ohne vorherige Schwangerschaft überraschend einen Säugling bei sich haben.
Der weibliche Säugling ist 54 Zentimeter groß und wiegt 4200 Gramm. Das Mädchen war mit einem weißen Strampelanzug mit rotem Rückenaufdruck "Voss", einem hellen Body und einem weißen Jäckchen bekleidet. Die Leverkusener Polizei sucht Zeugen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Zudem stellte sie ein Phantombild der Frau ins Internet.
Die Entführung von Säuglingen aus dem Krankenhaus wird nach Erfahrung des hannoverschen Kriminologen Christian Pfeiffer fast immer aufgeklärt. "In aller Regel fliegt so etwas nach kurzer Zeit auf, weil etwa das Umfeld der Täterin beginnt, Fragen zu stellen", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) heute. Täterinnen seien häufig psychisch angeschlagene, kinderlose Frauen, die sich so den Kinderwunsch erfüllen wollten.
Der Entführungsfall hat die Diskussion um Sicherheitsmaßnahmen in Krankenhäusern ins Rollen gebracht. So nutzt zum Beispiel das Universitätsklinikum in Lübeck zum Schutz von Säuglingen das Alarmsystem einer Firma aus Lehrte. Dabei werden die Krankenhaustüren mit einem Alarmsystem, sämtliche Neugeborene, Mütter sowie das Personal mit einem Signal aussendenden Chip ausgestattet. Die Ein- und Ausgänge bei Wochenstationen werden mit Antennen gesichert. Diese arbeiteten mit einer harmlosen Radiowellenfrequenz. Sobald ein Baby, das am Körper den etwa uhrengroßen Chip trägt, in die Nähe eines Ausgangs gelangt, wird ein Impuls ausgesendet. Die entsprechende Antwort muss dann von einem zweiten Chip der Mutter kommen.
"Wenn sich jemand ein Kind schnappt und die Station verlässt, schlägt das System Alarm", erklärt der Leitende Oberarzt am Universitätsklinikum in Lübeck, Martin Löning. Laut Angaben des Herstellers betragen die Kosten für ein solches Alarmsystem bis zu 5000 Euro pro Tür.