Entführungsdrama Deutsche Geisel offenbar schwer krank
Manila/Jolo - Sommer geht nicht davon aus, dass es bislang Todesopfer unter den Geiseln auf den Südphilippinen gegeben hat. "Wir tappen in manchen Bereichen weiter im Dunkeln", räumt er ein. Nach seinen Informationen seien die 21 Geiseln in mehrere Gruppen aufgeteilt worden. Einigen Geiseln soll es gesundheitlich schlecht gehen, darunter auch der Deutschen Renate Wallert. An einen "freiwilligen" Gefangenenaustausch, um die Kranken freizubekommen, werde bislang aber nicht gedacht.
Der philippinische Verteidigungsminister Orlando Mercado sagte, einige der Geiseln würden nur 500 Meter vom ersten Versteck der Entführer festgehalten. "Wir müssen jetzt klären, wo wer ist, damit medizinische Hilfe dorthin gelangen kann, wo sie benötigt wird." Mercado wies Berichte über den angeblichen Tod eines Anführers der extremistischen Abu-Sayyaf-Guerilla bei Gefechten mit Soldaten zurück. Er sei lediglich verletzt worden. Auch bestritt der Minister, dass zwei Geiseln mittlerweile die Flucht gelungen sei.
Einige der zu den Südphilippinen verschleppten Urlauber befinden sich nach Meinung einer Ärztin in Lebensgefahr, sollten sie nicht bald medizinische Hilfe bekommen. Eine der Geiseln leide an schweren Herz-Lungen-Problemen, sagte die Ärztin Yuda Lim in der Stadt Zamboanga. Anfang der Woche hatte eine andere Medizinerin bei der Deutschen Renate Wallert Herz- und Lungenprobleme festgestellt und dringend zu einer Behandlung im Krankenhaus geraten.
Unterdessen erneuerte Sondervermittler Nur Misuari die Drohnung, sein Amt niederzulegen. Er verlangte, dass sich das Militär von den Verstecken der Entführer der extremistischen Moslemgruppe Abu Sayyaf zurückzieht. Verteidigungsminister Mercado wies die Forderung mit den Worten zurück, die etwa 2000 Sicherheitskräfte seien "ein wichtiges Element" im Vorgehen der Regierung.