Erdbeben: 35.000 Tote in Indien? - DER SPIEGEL
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Erdbeben 35.000 Tote in Indien?

Nach dem verheerenden Erdbeben im Westen Indiens wird die Lage immer hoffnungsloser. Rund 100.000 Menschen werden noch vermisst, die Seuchengefahr wächst.
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Bhuj/Ahmedabad - Die Retter konnten am Montag nur noch wenige Überlebende aus den Trümmern befreien. Die Medien berichteten von bis zu 35.000 Toten. Rund 50.000 Menschen haben bei dem Beben schwere Verletzungen erlitten.

Die Bundesregierung erhöhte ihre Unterstützung für die Opfer in Indien und Pakistan von zwei auf drei Millionen Mark, die Weltbank sagte dem indischen Bundesstaat Gujarat eine Soforthilfe von 300 Millionen Dollar zu.

Internationale Helferteams sind an Ort und Stelle im Dauereinsatz und führen einen Kampf gegen die Zeit, um Verschüttete aus den Trümmern zu befreien. Mitarbeiter des deutschen Technischen Hilfswerks befreiten nahe der am meisten zerstörten Stadt Bhuj einen 51 Jahre alten Mann aus zehn Meter hohen Betonschichten. Schweizer Helfer konnten sieben Überlebende in Bhuj und Ahmedabad retten. Weitere Überlebende wurden in den Trümmern geortet, die Rettungskräfte versuchten, sie vorsichtig zu bergen. Im Dorf Anjar im am schlimmsten betroffenen Bezirk Kutch bestatteten Überlebende 2 700 Leichen bei Massenverbrennungen.

Das gewaltige Erdbeben mit der Stärke 7,9 auf der Richterskala hatte am Freitag große Teile des Bundesstaats Gujarat im Nordwesten Indiens verwüstet. Da mehr als drei Tage seit der Katastrophe vergangen sind, befürchten Experten, dass Verschüttete nur noch in einzelnen Glücksfällen überleben können. "Wir wissen nicht, ob es hier noch Überlebende gibt, aber wir müssen es versuchen", sagte eine Mitarbeiterin des französischen Expertenteams in Bhuj.

Verwesungsgeruch in den Straßen

Dort lief die Nothilfe am Montag auf vollen Touren. Die indische Regierung schickte 560 Ärzte und 780 Pfleger mit 450 Ambulanzwagen in die Stadt. Dennoch ist nur Erste Hilfe möglich. "Wir können nur Verbände anlegen", sagte der Amtsarzt Lalsingh Chandana. Schwerverletzte werden ausgeflogen. Das Deutsche Rote Kreuz schickte deshalb sieben Spezialisten und Spezialausrüstung nach Bhuj. Die internationale Mediziner-Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wollte am Montagabend mit zehn Helfern und 40 Tonnen Hilfsgütern in das indische Erdbebengebiet starten.

In Bhuj werden noch mehrere zehntausend Leichen unter den Trümmern eingestürzter Häuser vermutet. Auf den Straßen liegen die Kadaver von Kühen und Schweinen. Ein starker Verwesungsgeruch breitet sich aus. Helfer und Einheimische tragen Mundschutz. Nach Ansicht des Internationalen Rote Kreuzes besteht akute Choleragefahr.

Die Bevölkerung von abgelegenen Dörfern klagte, dass alle Anstrengungen sich zurzeit auf Bhuj und die unmittelbare Umgebung richteten. In mehreren Orten sei noch keine Hilfe angekommen, berichtete der Fernsehsender Star News. Das Internationale Rote Kreuz kritisierte auch die mangelhafte Koordination zwischen Armee, Behörden und Hilfsorganisationen.

Auch am Montag gab es in Gujarat wieder zahlreiche Nachbeben. Hunderttausende Menschen verbrachten die dritte Nacht in Folge im Freien. In Bhuj trauten sich die Menschen auch nicht mehr in die wenigen äußerlich unversehrten Häuser. Die Überlebenden, die noch nicht geflohen sind, wohnen auf der Straße. Im Süden Indiens gab es ein Erdbeben der Stärke 4,3, dessen Epizentrum nahe der Computermetropole Bangalore lag und die Menschen in Panik versetzte.