Erdbeben: Bis zu 11.000 Tote in Indien - DER SPIEGEL
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Erdbeben Bis zu 11.000 Tote in Indien

Bei einem gewaltigen Erdbeben im Westen von Indien sind möglicherweise bis zu 11.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Erdstöße hatten eine Stärke von bis zu 7,9 auf der Richterskala. Sie waren auch in Pakistan und Nepal zu spüren.
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Neu Delhi/Karachi - Das Beben war das heftigste auf dem Subkontinent seit mehr als 50 Jahren. Es richtete gewaltige Verwüstungen an. Nach den Erschütterungen um 8.46 Uhr Ortszeit (4.16 Uhr MEZ) spielten sich verzweifelte Szenen ab: Helfer gruben in Ahmadabad, der größten Stadt im Bundesstaat Gujarat, mit bloßen Händen nach Verschütteten. Die indische Regierung schickte zur Bergung Verletzter die Armee in das Katastrophengebiet.

Mehr als 2000 Menschen wurden bislang verletzt in Krankenhäuser gebracht. Nach Presseberichten könnte es bis zu 11.000 Tote geben. Die "Times of India" schrieb in ihrer Online-Ausgabe, in großen Teilen des Bundesstaates Gujarats seien Häuser eingestürzt. Allein in Ahmadabad wurden mindestens 250 Menschen in einstürzenden Häusern begraben. In Bhuj nahe dem vermuteten Epizentrum kamen 150 Menschen in einem einzigen zerstörten Gebäude ums Leben. Die Behörden in Gujarat hatten erst vor kurzem empfohlen, alle Häuser erdbebensicher zu machen. Dafür fehlt den allermeisten Menschen jedoch das Geld.

Das Beben führte auch zum Zusammenbruch von Telefonverbindungen. Noch Stunden nach der Katastrophe war es unmöglich, Nachrichten aus betroffenen Ortschaften zu bekommen. Das Stromnetz im Westen Indiens wurde ebenfalls vorübergehend unterbrochen, weil mehrere Kraftwerke für kurze Zeit ausfielen.

Menschen liefen in Panik auf die Straßen

Starke Erdstöße gab es in ganz Indien: von Bombay im Westen über die Hauptstadt Neu Delhi im Norden bis Kalkutta im Osten und Madras im Süden - über Entfernungen von mehr als 1500 Kilometer. Vielerorts liefen Menschen in Panik auf die Straßen. Das Meteorologische Institut in Delhi warnte vor Nachbeben.

Trotz der Tragödie zog in Delhi die Parade zum Nationalfeiertag wie geplant durch die Straßen. Experten sagten, die Entscheidung, den Zug nicht abzubrechen, habe eine mögliche Panik verhindern sollen. Auch in Allahabad am Ganges, dem Schauplatz des Hindupilgerfestes Kumbh Mela, war das Beben zu spüren. Es gab aber keine Panik.

Über die Stärke und das Epizentrum des Bebens gehen die Angaben bislang auseinander. Das Erdbebeninformationszentrum in Denver in den USA gab die Stärke des Bebens mit 7,9 auf der Richterskala und das Epizentrum im indischen Bundesstaat Gujarat an. Die Erdbebenwarte in Straßburg sprach von einer Stärke von 7,6 und lokalisierte das Zentrum vor der Küste Pakistans.

Das stärkste Beben seit 1950

Von der Stärke her war es in Indien das schwerste Beben seit 1950. Damals war in Assam im Nordosten ein Beben mit einer Stärke von 8,6 gemessen worden. 1993 waren bei einem Beben der Stärke 6,3 in Maharashtra im Westen des Landes bis zu 10.000 Menschen ums Leben gekommen.

Fast ganz Indien ist erdbebengefährdet. Beim letzten schweren Beben waren 1999 im Himalaja mehr als 100 Menschen getötet worden. Seit der Unabhängigkeit 1947 hat es elf schwere Erdbeben gegeben, unter anderem eines in Gujarat 1956.

In Deutschland riefen verschiedene Hilfsorganisationen zu Spenden für die Erdbebenopfer auf. Benötigt werden nach Aussage von Care vor allem Matratzen, Zelte, Lebensmittel und sauberes Trinkwasser. Die Caritas stellte 200.000 Mark Soforthilfe zur Verfügung, die Arbeiterwohlfahrt 50.000 Mark.