Erdbeben in Iran Tausende warten noch immer auf Hilfe
Sarbagh - Der Tag nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe begann mit einem Hoffnungsschimmer: Suchmannschaften zogen am Morgen zwei junge Frauen im Alter von 25 und 18 Jahren unter ihren zerstörten Häusern hervor. Beide Geretteten wurden ins Krankenhaus von Sarand gebracht. Kalter Regen und das unwegsame Terrain in den Bergen nördlich der Provinzhauptstadt Kerman behinderten die Rettungsarbeiten.
Die Suche der Helfer konzentrierte sich auf die Dörfer Hotkan, Sarbagh und Dahueijeh im Umkreis von Sarand, 700 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Teheran. Insgesamt wurden von dem Erdbeben der Stärke 6,4 gestern Morgen rund 40 Ortschaften fast vollständig zerstört. Etwa 500 Menschen kamen dabei nach bisherigen Angaben ums Leben, knapp 900 wurden verletzt. Insgesamt sind schätzungsweise 30.000 Einwohner betroffen. Einige der verwüsteten Dörfer sind so weit abgelegen, dass die Rettungsmannschaften vorerst nicht zu ihnen vordringen konnten. Vor etwas mehr als einem Jahr waren bei einem ähnlich starken Beben in der Region fast 31.000 Menschen getötet worden.
Nach dem Erdbeben: Tausende warten noch immer auf Hilfe
Übermüdete und frierende Überlebende des Erdbebens forderten von Behörden schnellere Hilfe. Sie verlangten Lebensmittel und Unterkünfte. Vor allem in den am stärksten zerstörten Dörfern beklagten Bewohner ein zu langsames Anlaufen der Rettungsaktionen.
"Wir haben die Nacht in der Kälte verbracht. Wo ist die Hilfe, über die im Fernsehen gesprochen wird?", beklagte ein Überlebender, als er auf einen Fahrzeugkonvoi des iranischen Innenministers Abdolwahed Musawi-Lari traf, der die Erdbebenregion besichtigte. Eine Frau schrie: "Meine Kinder frieren sich zu Tode. Sie wollen die Überlebenden des Erdbebens töten." Die Polizei musste einschreiten, weil sich um den Minister eine wütende Menschenmenge versammelt hatte. Einige Personen warfen sich vor die Fahrzeuge, um deren Weiterfahrt zu verhindern.
Helfer bestätigten, dass die Rettungsarbeiten nur schleppend vorankommen. Bisher seien nur Zelte, aber keine Nahrungsmittel oder Decken verteilt worden, sagte Farhad Fathisadeh, Sanitäter vom Roten Halbmond. "Wir bedauern, dass wir den Menschen noch nicht viel helfen konnten. Aber wir versuchen uns auf die Nacht vorzubereiten." Der Gouverneur der Provinz Kerman, Mohammad Ali Karimi, sagte dagegen im lokalen Rundfunk, alle betroffenen Dörfer seien mit Zelten, Decken und Nahrung versorgt worden. Hilfe aus dem Ausland lehnt die Regierung Irans weiterhin ab.
Tausende Iraner verbrachten die Nacht in Zelten und improvisierten Unterkünften. In Chanuk übernachteten rund 100 Männer, Frauen und Kinder auf dem Fußboden der kaum beschädigten Hauptmoschee der Stadt. Andere harrten bei eiskaltem Regen in Autos aus. Menschen versammelten sich um Lagerfeuer, um der Kälte zu entkommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna kam es zu bis zu 20 Nachbeben, die maximal die Stärke von 4,6 erreichten.