Erdbeben in Java Die Hilfe kommt - aber zu langsam
Yogyakarta - Auf dem wiedereröffneten Flughafen von Yogyakarta landeten heute die ersten Maschinen mit dringend benötigten Gütern wie Nahrung und Medikamenten. Dutzende Lastwagen mit Hilfslieferungen sind derzeit auf dem Weg zu den Überlebenden. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verlegte sogar seinen Amtssitz vorübergehend nach Yogyakarta, um die Hilfsmaßnahmen persönlich zu überwachen.
Trotz aller Bemühungen sind viele Opfer in schwer zugänglichen Gebieten weiterhin auf sich allein gestellt, insbesondere in dem stark betroffenen Bezirk Bantul. Dort kamen mehr als 3000 Menschen bei dem Beben der Stärke 6,3 ums Leben. Übermüdete Rettungsteams suchten in den Trümmern weiter nach Überlebenden. Nur langsam kommt die Hilfe näher: So landete heute eine von der Uno gecharterte Maschine mit Hilfsgütern in der Stadt Solo, die sich rund drei Stunden von dem Bezirk Bantul entfernt befindet.
Insbesondere Zelte werden dringend benötigt, vielerorts mussten die Menschen die Nacht im strömenden Regen verbringen. Die Regierung warnte zudem vor dem Ausbruch von Krankheiten. Neben der Bereitstellung von Notunterkünften sei die Bergung der Toten die dringlichste Aufgabe. Die Leichen verwesten allmählich. "Wenn wir sie nicht aus den dichtbesiedelten Gebieten schaffen, könnten sie zu einem Seuchenherd werden", sagte ein Sprecher der Provinzregierung Yogyakartas.
Die Behörden räumten mit Blick auf das Ausmaß der Schäden und die Zahl der Betroffenen ein, zunächst noch Mühe mit der Verteilung von Hilfsgütern zu haben, da es an Lastwagen und Personal fehlte. Einige Dörfer seien zudem nur zu Fuß zu erreichen, sagte ein Sprecher. Nach wie vor sind die Kliniken wegen der großen Zahl Verletzter hoffnungslos überfordert. Dort wird ebenfalls zusätzliches Personal benötigt.
Internationale Organisationen hatten dagegen wenig an den indonesischen Behörden auszusetzen. Sie bewältigten die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen "den Umständen entsprechend gut", sagte etwa Patrik Bolte vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), der seit gestern in Yogyakarta ist. Der Sprecher des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, John Budd, fand ähnliche Worte: "Jeder hätte natürlich gerne, dass alles schneller geht. Aber wir müssen angesichts einer Katastrophe dieser Größenordnung einfach realistisch sein."
Die durch den Tsunami leidgeprüfte indonesische Regierung will umgerechnet 100 Millionen Euro für die Nothilfe und den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. Der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla erklärte die Katastrophenregion für mindestens drei Monate zum Notstandsgebiet.
Aus aller Welt kündigte sich zusätzliche finanzielle Hilfe an. Die Europäische Union erklärte heute, man habe bislang drei Millionen Euro als "eine erste Nothilfe" zur Verfügung gestellt. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, man verschaffe sich derzeit noch einen Überblick über die Bedürfnisse, dann sei mit der Freigabe von weiteren Hilfsgeldern zu rechnen. Deutschland stellte 500.000 Euro an Soforthilfe zur Verfügung.
str/AFP/AP/reuters