Erdbeben in Mittelamerika Behörden befürchten bis zu 3000 Tote
Buenos Aires/San Salvador/Eschborn - Nach dem verheerenden Erdbeben in El Salvador befürchten die Behörden bis zu 3000 Todesopfer. Nach offiziellen Angaben wurden bislang mehr als 600 Leichen geborgen, doch die Zahl der Toten stieg kontinuierlich. Zehntausende wurden verletzt oder sind obdachlos.
Unterdessen ging die Evakuierung der besonders gefährdeten Regionen weiter. Bisher seien 20.000 Menschen an sichere Orte gebracht worden, teilten die Behörden mit. Die linke Partei FMLN berichtete jedoch von mindestens 80.000 Geschädigten.
Hunderte zum Teil kräftige Nachbeben richteten weitere Schäden an und könnten neue Erdrutsche auslösen. Verängstigte Menschen kampierten deshalb sogar auf Fernstraßen. Außerdem versetzten die fast 800 Nachbeben die Menschen immer wieder in Panik und behinderten die Rettungsarbeiten.
Nach 48 Stunden: Zwei Überlebende geborgen
Fast an ein Wunder grenzte es da, dass mehr als 48 Stunden nach dem Beben zwei Menschen noch lebend geborgen werden konnten. Auch zwei kleine Hunde seien gerettet worden, berichteten lokale Medien. Eine Frau und ein Mann sowie die beiden Haustiere seien unabhängig voneinander im schwer zerstörten Santa Tecla westlich von San Salvador unter tonnenschweren Erdschichten gefunden worden. Dort waren etwa 500 Häuser zerstört und 200 Tote gefunden worden.
Menschen trinken verunreinigtes Trinkwasser
"Das Trinkwassersystem in El Salvador ist völlig zusammengebrochen", sagte eine Sprecherin von "Ärzte ohne Grenzen". "Da die Menschen verunreinigtes Wasser trinken müssen, gibt es viele Durchfallerkrankungen." Ein von Niederländern koordiniertes internationales Team von Ärzten und Wasserspezialisten sei am Montag in der Krisenregion eingetroffen, um die Versorgung sicherzustellen.
Gefahr von Seuchen
Nach Einschätzung von Hilfskräften wird sich die Lage der Überlebenden jedoch noch verschlimmern. Trinkwassermangel, Obdachlosigkeit und die Gefahr von Seuchen stellten eine akute Bedrohung dar, sagte ein Experte von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Viele an Berghängen gelegene Provinzstädte und Dörfer seien wegen zerstörter Brücken auch immer noch von der Außenwelt abgeschnitten. Dort hätten die Katastrophenhelfer Zerstörungen bisher nur vom Hubschrauber aus abschätzen können.
Hilfe aus Deutschland
Deutschland und zahlreiche andere Länder kündigten Soforthilfen in Millionenhöhe an. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen stellte sich auf die Versorgung von mehr als 50.000 Menschen im Katastrophengebiet ein. Benötigt würden vor allem Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente und auch Windeln. Das Deutsche Rote Kreuz will ein Notlazarett für das weitgehend zerstörte Krankenhaus in San Miguel sowie Aufbereitungsanlagen für Trinkwasser, Decken, ein Röntgengerät und Stromerzeugungsaggregate nach El Salvador fliegen.