Erdbeben: Pakistan nimmt Hilfe vom Erzfeind Indien an - DER SPIEGEL
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Erdbeben Pakistan nimmt Hilfe vom Erzfeind Indien an

Nach dem verheerenden Erdbeben mit mehr als 41.000 Toten in Kaschmir rücken die Erzrivalen Pakistan und Indien enger zusammen. Erstmals wird Indien eine Hilfslieferung in das Nachbarland auf den Weg bringen.
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Islamabad/Neu Delhi - Ein Transportflugzeug der indischen Luftwaffe soll bereits in Kürze mit rund 25 Tonnen Hilfsgütern an Bord starten, darunter dringend benötigte Zelte, Decken, Medikamente und Nahrungsmittel, berichtete die indische Zeitung "The Telegraph" heute.

Auch Tage nach dem Erdbeben der Stärke 7,7 finden Rettungskräfte unter den Trümmern noch immer Überlebende. Gestern bargen Helfer eine Frau und ihre kleine Tochter aus dem Schutt eines eingestürzten Hochhauses in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Zuerst retteten Zeitungsberichten zufolge Soldaten und britische Spezialisten das zweijährige Mädchen und wenig später die Mutter. Die Suche nach weiteren Überlebenden wurde auch in der Nacht fortgesetzt.

Während Pakistan das Hilfsangebot Indiens annahm, wird es gemeinsame Rettungseinsätze in der von beiden Staaten beanspruchten Kaschmirregion nicht geben, wie die pakistanische Zeitung "Daily Times" meldete. "Es gibt keine Möglichkeit für gemeinsame Hilfseinsätze auf beiden Seiten der Grenzlinie", sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Islamabad, Tasnim Aslam, der Zeitung. Es gebe dort auch keine Bewohner, denen geholfen werden könnte.

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Beben in Kaschmir: Verzweiflung in den Ruinen

Foto: REUTERS

Dem Zeitungsbericht zufolge sind unter den Opfern des Erdbebens auch viele Soldaten, die beiderseits der Grenzlinie zwischen den von Indien und Pakistan kontrollierten Teilen Kaschmirs stationiert waren. Seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft 1947 haben Indien und Pakistan drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um das geteilte Kaschmir.

Die Zahl der in Indien bestätigten Todesopfer ist derweil auf fast 1000 gestiegen. Bis heute seien im nördlichen Bundesstaat Jammu und Kaschmir 944 Leichen geborgen worden, teilten die Behörden mit. Die meisten Opfer habe es in den Bezirken Baramulla und Kupwara gegeben, die dem Epizentrum des Bebens vom vergangenen Samstag am nächsten lagen. 4400 Menschen wurden verletzt, 30.000 Häuser zerstört oder beschädigt. Mehr als 100.000 Menschen sind obdachlos.

"Jede Stunde zählt"

Nach dem Erdbeben - dem stärken in der Region seit 100 Jahren - setzte rund um den Globus eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Die USA sagten Pakistan Hilfen in Höhe von 50 Millionen Dollar (41 Millionen Euro) zu. "Jede Stunde zählt", betonte Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Das Beben hatte am Samstag weite Landstriche im Norden Pakistans und Indiens verwüstet. Etwa 2,5 Millionen Menschen wurden durch die Katastrophe obdachlos.

Die Weltbank kündigte einen 20-Millionen-Dollar-Kredit zur Wiederaufbauhilfe an. Die EU will schon in den kommenden Tagen ihre angekündigte Erdbeben-Soforthilfe von zunächst 3,6 Millionen Euro erheblich aufstocken. Zugleich begannen erste Planungen für die Unterstützung des Wiederaufbaus. Pakistan bat auch die Nato um Hilfe. "Wir prüfen, wie wir bei dieser ungeheuren Katastrophe helfen können", sagte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer.

Die Bundeswehr entsandte 50 im benachbarten Afghanistan stationierte Soldaten nach Islamabad. Die Soldaten seien bereits in der pakistanischen Hauptstadt eingetroffen, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gestern in Berlin mit. Zwei Bundeswehr-Transporthubschrauber vom Typ "CH-53" würden von Usbekistan nach Pakistan verlegt. Drei Transall-Maschinen hätten Hilfslieferungen nach Islamabad gebracht. Ein vierter Flug sei geplant. Von Frankfurt am Main starteten 15 Spezialisten des Technischen Hilfswerks (THW) nach Pakistan. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) plant für heute einen ersten Hilfsflug. Auch zahlreiche weitere Organisationen wollten Helfer entsenden oder riefen zu Spenden auf.

Heftige Nachbeben gefährden Überlebende

Derweil versetzen zahlreiche Nachbeben die Überlebenden weiter in Angst und Schrecken. Das Geo-Forschungszentrum (GFZ) Potsdam bezeichnete Anzahl und Stärke der Nachbeben als ungewöhnlich hoch. "Wir haben in den vergangenen zwei Tagen mehr als 40 Nachbeben mit der Stärke 5 oder mehr gemessen", sagte die Seismologin Monika Sobiesiak vom GFZ. Normal seien pro Tag ein oder zwei Nachbeben dieser Größenordnung. "Jetzt sind die Erschütterungen aber wie bei Feuersalven aus einem Gewehr schnell hintereinander gekommen." Die Nachbeben könnten noch bis zu drei Monate dauern.