Erdbebenfolgen: China befürchtet mehr als 50.000 Tote - DER SPIEGEL
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Erdbebenfolgen China befürchtet mehr als 50.000 Tote

Nach dem verheerenden Erdbeben in China steigt die Zahl der Opfer weiter: Die Behörden gehen jetzt von bis zu 50.000 Toten aus. Weitere 26.000 Menschen sind noch verschüttet oder werden vermisst. Erstmals hat die chinesische Regierung die Bevölkerung zu Sachspenden aufgerufen.
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Hamburg - Bei dem schweren Erdbeben in China sind offenbar noch viel mehr Menschen getötet als bislang befürchtet. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldet, insgesamt könnten mehr als 50.000 Menschen umgekommen sein. Weitere 26.000 Menschen gelten offiziellen Angaben zufolge als vermisst. Wie viele Menschen noch in den Trümmern verschüttet sind, ist derzeit noch unklar. Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Opferzahlen noch weit höher liegen.

Erstmals hat die chinesische Regierung die Bevölkerung zu Spenden von Rettungsmaterial aufgerufen. Mehr als 72 Stunden nach dem verheerenden Beben sind noch immer Tausende Menschen in den Trümmern eingeschlossen. In dem Aufruf wurden die Menschen gebeten, Werkzeuge und Schaufeln zu spenden, um die Helfer bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Suche nach den Ursachen des Bebens

Erstmals hat China auch ausländische Hilfe bei der Bergung der Erdbebenopfer in der Unglücksprovinz Sichuan akzeptiert: Peking hat sich mit Japan auf die Entsendung eines Expertenteams verständigt. Japanische Wissenschaftler sind auch an der Auswertung des verheerenden Erdbebens vom Montag beteiligt.

Die Forscher versuchen zu analysieren, warum das Beben solch verheerende Schäden anrichten konnte und über eine solche große Distanz zu spüren war. Ihr Fazit: Die tektonischen Verschiebungen haben vermutlich in zwei Phasen stattgefunden und die Erde rund zwei Minuten beben lassen. Die Wissenschaftler der Tsukuba-Universität glauben zudem, dass die besondere Härte des Bodens das Ausmaß des Bebens begünstigt hat.

Erst vor wenigen Jahren errichtete Wohnhäuser und Schulgebäude sind bei dem Beben wie Kartenhäuser in sich zusammengefallen. Drei Jahrzehnte des anhaltenden Wirtschaftsbooms haben die Gebäude im ganzen Land in rasantem Tempo in die Höhe schnellen lassen. Doch offenbar waren die Sicherheitsvorschriften nicht streng genug - oder sie wurden wegen Korruption und Profitgier einfach nicht beachtet.

Die Suche nach Überlebenden ist inzwischen jedoch vor allem zu einer Bergung der Toten geworden. In einigen Städten werden Leichen auf dem Gehweg gestapelt, neben denen Räucherstäbchen brennen - um den Toten zu gedenken und den Verwesungsgeruch zu vertreiben.

Wut der Bevölkerung

Immer wieder gehen aber auch Berichte von Überlebenden durch die Medien: In Yingxiu im Südosten Chinas konnte nach 68 Stunden ein elfjähriges Mädchen lebend aus den Trümmern geborgen werden. Das berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP.

Die Menschen in den entlegenen Provinzen sind zunehmend verärgert, dass sie die Hilfe nicht oder nur sehr langsam erreicht. Auf einer Straße in Beichuan säumen Schilder den Weg. "Wir sind obdachlos. Wir möchten überleben", haben die Menschen auf die Pappe geschrieben und halten den passierenden Soldaten ihre Botschaft entgegen.

"Dieses Gebäude ist nur noch ein Schutthaufen", rief eine vor Wut fassungslose Einwohnerin in Dujiangyan. Sie stand vor den Trümmern ihres Zuhauses, in das sie vor zehn Jahren umgesiedelt wurde. Ihr altes Haus hatten die Behörden abreißen lassen. "Die Regierung hat uns ausgetrickst. Die haben uns gesagt, das Gebäude wäre solide gebaut", sagte Chen, die nur ihren Nachnamen angeben wollte. Ihrer Familie gelang es, noch ein paar Kleider und Andenken aus dem Trümmerhaufen zu fischen.

Kritik in den Medien

Luftaufnahmen von der Stadt Yingxiu, die nahe am Epizentrum des Bebens mit der Stärke 7,9 lag, zeigten ein Bild der Verwüstung. Rund 7700 der knapp 10.000 Einwohner sollen allein dort ums Leben gekommen sein. Auch in Beichuan sind ganze Häuserblocks scheinbar in Sekunden zu Staub zerfallen.

Besonders viele Schulgebäude sind am Montag binnen Sekunden eingestürzt. In Juyuan wurden fast 900 Gymnasiasten unter den Trümmern ihrer Schule begraben, nahegelegene Wohngebäude blieben aber weitgehend unversehrt. Die Frage nach der Verantwortung für die offenbar unzulänglich errichteten Gebäude wird inzwischen sogar in staatlichen Medien laut: "Wir können es uns nicht leisten, unangenehme Fragen zur strukturellen Qualität der Schulgebäude nicht zu stellen", hieß es da.

han/AP/AFP/dpa