Erfindung Der neueste Schrei zum Abnehmen
Magdeburg - Noch ist das vier Gramm schwere, streichholzschachtelgroße Gerät nicht auf dem Markt. Doch der international einmalige Testversuch an der Universitätsklinik in Magdeburg verläuft viel versprechend. Noch sei die Patientenzahl zu klein, um eine abschließende Bewertung zu treffen, sagt der Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Peter Malfertheiner.
"Einzelne Patienten haben mit dem Schrittmacher beispielsweise in den sechs Monaten Testzeit 16 oder 24 Kilogramm abgenommen", sagt die zuständige Ärztin Claudia Knippig, und dies ohne zu hungern und ohne zusätzlichen Sport zu treiben. "Die Patienten können ihr normales Leben führen, einschließlich sportlicher Aktivitäten." Bislang sei aber die Wirkungsweise des kleinen Geräts, das im Fettgewebe des Oberbauchs eingepflanzt wird, noch nicht wissenschaftlich erwiesen.
Am Kästchen hängen Elektroden, die an der Magenaußenwand angebracht und mit denen schwache Stromstöße übermittelt werden. Sie sollen die Tätigkeit des Magens simulieren, damit sich nach einiger Zeit ein Sättigungsgefühl einstellt. Dadurch essen die Patienten angeblich weniger.
Die Methode werde zwar auch in Italien und in den USA in Studien untersucht. "Aber wir sind die einzigen auf der Welt, die einen Versuch sowohl mit angeschalteten als auch abgeschalteten Geräten machen und das Verfahren mit etablierten Methoden wie dem Magenband vergleichen", sagt die Ärztin. Bei der Magenbandmethode wird der Magen mit einem Band eingeschnürt. Dadurch ist das Volumen kleiner und der Patient ist schneller satt. Dieses Verfahren wird weltweit bereits bei mehreren Tausend Patienten angewandt.
Um einen Placebo-Effekt auszuschließen, wissen die Probanden, die beim Magdeburger Versuch mitmachen, während der Testzeit nicht, ob ihr Gerät angeschaltet ist. Und ein Ergebnis lässt sich immerhin festhalten: Bislang haben die Personen mit ausgeschaltetem Schrittmacher nicht abgenommen.
Die Kandidaten würden nach strengen Kriterien ausgesucht. So müssten alle einen Body-Mass-Index, eine Verhältniszahl von Größe und Gewicht, von mehr als 40 haben. Das bedeutet beispielsweise bei einem Menschen von 1,70 Meter ein Gewicht von 115 Kilogramm.
Außerdem müssen die Bewerber körperlich gesund und psychisch stabil sein. Ferner wird erwartet, dass sie bereits versucht haben, mit herkömmlichen Diäten oder Kuren abzuspecken. Von etwa 300 Bewerbern wurden bisher nur etwa ein Dutzend ausgewählt.
Denn es gebe wie bei jeder Operation immer ein gewisses gesundheitliches Risiko. Dabei sei der Eingriff selbst, der mit so genannter Schlüssellochtechnik ausgeführt wird, an sich nicht gefährlich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in Bonn wollte zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorhaben abgeben. "Wir äußern uns erst dann, wenn die Universität nach dem Abschluss der Untersuchungen ein offizielles Ergebnis vorlegt", hieß es dort.