Erfurter Lehrer Heise Vom Helden zum Opfer
Erfurt - "Bitte, bitte, nicht noch ein Opfer", sagte Günter Steinhäuser der "Thüringischen Landeszeitung". "Der Mann hatte doch Todesangst. Das dürfen wir nicht vergessen," fleht der Vater, dessen Sohn 16 Menschen und sich selbst getötet hat.
Rainer Heise, Kunst- und Geschichtslehrer am Gutenberg-Gymnasium, wurde nach dem Massenmord in der Schule für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Manche Medien feierten ihn als "Helden von Erfurt".
Der 60-Jährige hatte in mehreren Interviews berichtet, wie er an jenem Freitag dem 19-jährigen Täter entgegengetreten war. Als der Vermummte mit der gezogenen Waffe auf ihn zu kam, habe sich der ehemalige Schüler die Maske vom Kopf gezogen. Heise erkannte ihn: "Robert, du?" habe er gefragt. "Hast du geschossen, was denkst du Dir eigentlich dabei?" Dann, so Heise, habe er ihn aufgefordert, zu schießen. "Aber du musst mir in die Augen sehen dabei."
Als der Jugendliche daraufhin die Waffe weg legte, habe Heise ihn in einen leeren Raum geschoben: "Deine Waffe nimmst du mit," habe er zu Robert gesagt. Dann habe er schnell die Tür geschlossen und den Schlüssel umgedreht.
Nach wenigen Tagen als gefeierter Held wird Heise inzwischen geschnitten. Schuldirektorin Christiane Alt hatte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärt: "Manchmal denke ich, er hätte auch ein leiserer Held sein können." Der Erfurter Polizeichef Rainer Grube sagte, es gebe noch "einige offene Fragen". Auch wenn einiges an Heises Schilderung glaubwürdig sei, würden doch "Widersprüche bei der Rekonstruktion des Tatverlaufs deutlich", äußerte sich Grube in der "Welt am Sonntag".
Heise sagt, nach dem Massaker sei für ihn der Alltag zur Hölle geworden. "Wie ich weiterleben soll, weiß ich nicht. Mir wird zu übel mitgespielt," sagte er der "WamS". Zeige er sich in der Öffentlichkeit, werde er bespuckt. Beim Gang zum Bäcker beschimpfe man ihn. Telefonisch sei ihm dreimal mit dem Tod gedroht worden. "Ich bin auf der Flucht", sagte Heise.
Ob sich das Ende des Massakers am 26. April so zugetragen hat, wie es Heise beschreibt, ist nicht bewiesen. Polizisten wollten es jedoch nicht ausschließen: "Es könnte so gewesen sein." Erwiesen ist, dass Steinhäuser tot in einem verschlossenen Zimmer gefunden wurde. Den Schlüssel hatte Heise.
Das Bundesverdienstkreuz will Heise nicht annehmen.