Ermittlungen in Dresden Die Bombe war scharf
Dresden - "Das Gerät war zündfähig, es hätte funktioniert", sagte Peter Raisch, Chef der sächsischen Landeskriminalamtes (LKA). Die Bombe hätte jederzeit explodieren können, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Raisch geht davon aus, dass die Bombe exakt dort zwischen zwei Bahngleisen an einem Essensautomat explodieren sollte, wo sie am Freitagabend auch entdeckt worden war. "Bei der Explosion wäre auch dieser Automat zerrissen worden. Dadurch wären weitere Metallteile durch die Gegend geschossen und hätten noch größere Verwüstungen angerichtet", sagte Raisch.
Wann die Bombe hätte explodieren sollen, sei vermutlich nicht mehr herauszufinden. Der für die Zeiteinstellung nötige Wecker war zerstört worden, als die Bombe unschädlich gemacht wurde. "Der Sprengkörper war in dem Sinne funktionstüchtig, als dass alle Einzelteile für eine Bombe vorhanden und funktionstüchtig waren", ergänzte LKA-Sprecher Rico Müller.
Der Koffer soll nach Medienberichten angeblich ein Kilogramm hochexplosives TNT enthalten haben, das in einem Schnellkochtopf hochgehen sollte. Daraus hatten Experten geschlussfolgert, dass als Urheber der Bombe Islamisten oder Neonazis in Frage kommen. Anfang März waren in Frankfurt am Main vier Islamisten aus Algerien wegen eines geplanten Bombenanschlags in Straßburg zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten ihre Bombe aus einem präparierten Schnellkochtopf gebaut.
Das LKA hat diese und andere Berichte über einen möglichen terroristischen Hintergrund des Sprengsatzes bislang weder bestätigt noch dementiert. Bislang hieß es lediglich, mit dem Sprengsatz hätten viele Menschen verletzt oder getötet werden können.
Die Polizei wolle den Täterkreis nicht einengen, heißt es in der "Süddeutschen Zeitung". "Wir halten vom irrationalen Täter bis zur politisch motivierten Tat alles für möglich", sagte Raisch.